Neue Platten

Ulrike Haage - Goldrausch

Genre: KammerPop
Label: Blue Pearls Music (Indigo)
CD, VÖ: - 07.09.2012

Goldgräberstimmung in Deutschland. Nach dem Ende der DDR ein häufig anzutreffendes Phänomen. Windige West-Manager, unfähige Treuhandmitarbeiter, berauschte und raffgierige Kleinunternehmer - Erichs Hinterlassenschaft wurde unprofessionell abgewickelt, das Kapital der sozialistischen Republik schnell verhökert und das Über-den-Tisch-ziehen der Ossis war zum Volkssport geworden. So häufte die Treuhand bis 1994 sage und schreibe 256 Milliarden Mark Schulden an, die blühenden Landschaften wollten nicht so recht bunt werden. Eine traurig-spannende Geschichte, die der Film „Goldrausch” (ab 30. August 2012 in Umlauf) beeindruckend behandelt. Wichtiger Bestandteil dieser Doku ist der Soundtrack. Und wer, wenn nicht Ulrike Haage, kann dazu am besten die Noten in Bewegung setzen. Im dicken B daheim, langjährige Beobachterin der dortigen Szene, aufmerksame Beäugerin des politischen Geschehens. Mit insgesamt 32 Klangepisoden begleitet sie den Film und schafft dabei eine feinfühlige kammermusikalische Atmosphäre, die einerseits mit einer beobachtungsgenauen Aufmerksamkeit, andererseits mit einer subtilen Bedrücktheit aufwartet, was an einigen Stellen auch an die Arbeit von Michael Nyman zum Film „The Piano” erinnert. Haage bedient zu diesem Zweck Flügel, Orgel und Synthesizer und wird dabei von Eric Schaefer (Perkussion) und Eve Wickert (Viola) begleitet. Das Ziel, den Film adäquat zu untermalen, wurde dabei genauso brilliant umgesezt, wie die Prämisse, ein vom Film abgekoppeltes Opus zu schaffen, das dauerhaft und stark für sich alleine stehen kann. Ulrike Haage erweist sich einmal mehr als sensible Künstlerin mit einer ganz speziellen Art, Kopfbilder in Musik umzusetzen.

www.ulrikehaage.com

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