Neue Platten

Orange Blossom - Everything Must Change

Genre: World/Electro
Label:NRW Records (NRW Vertrieb)
CD, VÖ - 28.10.2005

Manchmal trifft einen eine CD wie ein Blitz. Dann raucht der CD-Spieler, die Boxenkabel glühen und es gibt nichts anderes auf der Welt als diese 60 Minuten. So geschehen mit dem zweiten Album von Orange Blossom, einer multi-ethnischen Gruppe aus – nein, nicht aus dem Londoner Westend – sondern aus der französischen Provinz, genauer gesagt aus Nantes. Dort wurde dieses exquisite Album auch aufgenommen. Ein Album, das mit federnder Leichtigkeit den Spagat zwischen arabischem Maghreb-Sound, Balkan-Flavour, nahöstlichem Streichermysterium und knallharten Club-Beats schafft, ohne dabei auch nur im geringsten Zweifel an der Homogenität des Ganzen aufkommen zu lassen. Ein ähnlich pricklendes Gefühl konnte man schon einmal bei der britischen Gruppe „Oi Va Voi“ erleben, nur haben Orange Blossom das kleine Kunststück fertiggebracht, dieses Gefühl in eine Ganzkörpergänsehaut zu steigern.
Wichtigstes Element dieser Produktion ist zweifelsohne die algerische Sängerin Leïla Bounous, die ähnlich wie ihre Landsmännin Amina Annabi (in Frankreich auch ganz weit vorne) mit einer betörenden Stimme gesegnet ist, die einen von der ersten bis zur letzten Minute in ihren Bann zieht. Um sie herum haben der Mexikaner C.R. Arenas und der Franzose P.J. Chabot ein gigantisches Netz aus treibenden Rhythmen gebastelt, wo Bläser, Akkordeon, Violine, indische Tablas, afrikanische Perkussion und Streichorchester genauso ihren Platz finden wie Slide-Gitarren, schwere Basslinien, scheppernde Klangwände und am Computer programmierte Dancefloor-Architektur, die teilweise an seelige Rave-Zeiten erinnert. Daß das trotzdem alles wie aus einem Guss klingt, ist wohl der weltoffenen und barrierefreien Denkweise aller Beteiligten zuzuschreiben, die von Punk bis HipHop, von Folk bis Techno, von Ägypten bis Marokko, von Mexiko bis Bulgarien alle nur erdenklichen Eindrücken und Einflüsse in diese Produktion gewinnbringend mit eingebracht haben. Dieses Album kann man sicher ohne zu übertreiben als eine der wenigen Sternstunden der alternativen Musik-Szene bezeichnen. Wer sich die Mühe macht, dieses sicher nicht immer leicht aufzutreibende Album aufzuspüren, wird reich belohnt.

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