Neue Platten

Samuel Rohrer - Noreia

Genre: Jazz
Label: arjunamusic (NRW-Vertrieb)
CD, VÖ: - 05.10.2012

Einen Hinweis auf die Böhsen Onkelz, einer dem rechten Politspektrum nahestehende deutsche Rockband, hatte Samuel Rohrer hoffentlich nicht im Sinn, als er sein Album „Noreia“ nannte. „Noreia” war nämlich auch ein Track der 92er Onkelz-CD „Heilige Lieder”. Eher ist anzunehmen, dass er damit ganz allgemein eine antike Stätte im heutigen Kärnten meint, die während der Wander­züge der Kimbern und Teutonen in vorchristlicher Zeit eine nicht unerhebliche Rolle gespielt hat. Besser würde natürlich aber eine Hommage an die Göttin Noreia passen, die in dieser Zeit als keltische Kultfigur gehandelt und auch von den Römern wegen ihrer Fruchtbarkeit und Heilkraft sehr verehrt wurde. Tippen wir also mal auf die holde Weiblichkeit, denn da sind wir am nächsten dran am Wesen dieser CD. „Noreia” von Samuel Rohrer ist demnach ein sehr schönes Jazzalbum, um das mal so banal zu formulieren. Trotz seiner Eigenschaft als Schlagzeuger haben wir es hier nicht mit einer wuchtigen Schöpfung zu tun, sondern ganz im Gegenteil mit einem lyrischen bis magischen Werk, das durch ein paar extravangante Exkurse in die Geräuschecke „aufgelockert“ wird. Das tagträumerische Element dieser CD kommt vor allem durch den Einsatz der Bass-Klarinette von Claudio Puntin zustande, die weite Teile von „Noreia” bestimmt. Seine feinfühligen Melodielinien entspringen einer tiefen Entspanntheit und haben in der Tat etwas „Göttliches”, um beim Titel dieser CD zu bleiben. Unterstützt werden Puntin und Rohrer gleich durch zwei Bassisten (Peter Herbert, Kontrabass und Skuli Sverrisson, 6-String-Bariton-Bass). Elektronische Effekte sorgen für zusätzliche Spannungselemente. Alles zusammen ergibt eine dichte und atmosphärisch-warme Klanglandschaft, in der man sich gerne aufhält.

www.samuelrohrer.com