Neue Platten

Meridian Brothers - Desesperanza

Genre: Weird Folk
Label: Soundway Records (Indigo)
CD, VÖ: - 26.10.2012

Je mehr man sich mit den diversen Spielarten der alternativen Popmusikkultur beschäftigt, desto mehr musikalische Vergleiche drängen sich einem auf. Im Falle der hier vorzustellenden „Meridian Brothers“ ist das nicht anders. Dieses Bandgefüge aus Bogotà/Kolumbien hat sich den einheimischen Sounds wie Cumbia, Salsa und Curralo verschrieben und sie durch eine elektronische Tretmühle geschickt. Was dann hinten wieder herauskam, erinnert in ihren Ergebnissen an die schräge Welt von „Unserem Mann aus Odessa”, auch OMFO genannt, der Ähnliches mit seinem zentralasiatischen Erbe angestellt hat. Sein südamerikanischer Gegenpol heißt also Eblis Alvarez und ist der Kopf der Meridian Brothers. Eblis hat dieses seltsame Handwerk nicht etwa irgendwo in den Anden bei den Inkas erlernt, sondern in Kopenhagen, wo er am Danish Institute of Electronic Music nach Möglichkeiten geforscht hat, seinen Musikvorstellungen neue Impulse hinzuzufügen. Und das ist ihm mit „Desesperanza” zweifellos gelungen. Wieder zuhause in Kolumbien, schnappte er sich den tropischen Sound der 60er und 70er, quirlte äthiopische Musik, afrikanischen Highlife und Surfelemente dazwischen und postierte das alles auf einem Fundament aus peruanisch/kolumbianischer Traditionsmusik. So wird man Zeuge einer bizarren Klang­landschaft, die irgendwo schon nach Südamerika klingt, andererseits aber auch nach Experimentierbaukasten und nach Underground-Performance. Traditionalisten jedenfalls dürften dieses Gebräu sehr argwöhnisch beobachten, denn schwindelig machende Beats, schräge Klacker­rhythmik und kopfstimmenlastiger „Gesang“ setzen den angestammten Hörgewohnheiten schon arg zu. Aber lustig und hochinteressant ist das allemal und dadurch genau das richtige für Leute mit abseitigem Musik­geschmack.

www.meridianbrothers.com