Neue Platten

Lunapark - (V. A.)

Genre: Rock/Pop
Label: Eastblok (Indigo)
CD, VÖ: - 02.11.2012

Russland ist schwer zu durchschauen. Politisch sowieso, gesellschaftlich auch und musikalisch naja. Speziell blüht da vor allem der Raubkopiermarkt und man fragt sich immer wieder, wie der einzelne Künstler so über die Runden kommt. Die vielen Szenen sind unübersichtlich, eine Vernetzung Glückssache und Internationalität bis auf wenige Ausnahmen ist nicht vorhanden. Vieles spielt sich dafür im Untergrund ab – Kleinteiligkeit ist Trumpf. Trotzdem boomt die Subkultur, nur mitbekommen tut man im Westen davon so gut wie nichts. Gut, dass es da ein paar findige Scouts gibt, die ihre Nase in dieses Dickicht stecken und uns arme, aufgeschlossene Konsumenten an ihren Riechergebnissen teilhaben lassen. So ist also „Lunapark“ entstanden, ein Querschnitt durch das alternative russische Treiben. Genauso bunt und quirlig, wie im echten Moskauer Lunapark, der wunderbar an der Moskwa gelegen, mindestens genauso abwechslungsreich und verwunderlich ist, wie diese CD. Die Compiler haben sich allerdings darauf beschränkt, erst einmal nur die alternative Rock- und Popszene zu beleuchten. Allein das ist eigentlich schon ein Fass ohne Boden und erstaunlich zeitgemäß. Wobei man allerdings auch dazusagen muss, dass die Russen das Pop-Rad trotzdem nicht gerade neu erfunden haben, dazu fehlt ihnen ganz einfach der historische Unterbau. Aber trotzdem wird in Rossia ganz frisch musiziert - von HipHop über Elektropop bis zu Alternative. So kommt einem Vieles zwar irgendwie bekannt vor, ist letztendlich aber dann doch ein wenig anders. Vor allem natürlich wegen der geschmeidigen russischen Sprache, die eine willkommende Abwechslung zum Allerweltsenglisch darstellt. Die Namen der Interpreten sind natürlich auch erst mal nur Schall und Rauch, was allerdings niemand davon abschrecken sollte, die Sache näher unter die Lupe zu nehmen. Man wird überrascht sein, was da trotz Putins Knute so alles geht.

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