Neue Platten

Stockholm Lisboa Project - Aurora

Genre: Folkjazz
Label: Nomis Musik/Westpark Music (Indigo)
CD, VÖ: - 02.11.2012

Wenn eine tragende Säule einer Band ausfällt oder abspringt, ist das meist ein herber Rückschlag und nicht selten das Aus für eine Kombo. Beim schwedischen Stockholm Lisboa Project vollzog sich der Wechsel an der vokalen Spitze jedoch relativ unspektakulär. Gründe sind für Außenstehende wie immer nur schwer auszumachen, letztendlich zählt aber für den Musikinteressierten nur das Ergebnis, das der Personalwechsel mit sich gebracht hat. Liana, die liebliche portugiesische Sängerin aus Coimbra ist raus, dafür kam ihre herb-rassige Landsmännin Micaela Vaz, ebenfalls Fado-Sängerin, jetzt rein. Seinem Motto „Fado, Polska and Beyond“ ist das Quartet jedenfalls treu geblieben. Wie schon auf Diagonal spannt dieses Länder- und genreübergreifende Projekt einen kühnen Bogen zwischen Nord- und Südeuropa, verbindet lusitanischen Weltschmerz mit skandinavischer Folklore. Dass die Band nicht alltägliche Merkmale aufweist, ist an der Besetzung abzulesen: Der Portugiese Sergio Cristóstomo spielt die Geige, die eigentlich eher von nordisschen Folkies bevorzugt wird und der Schwede Simon Stålpets bedient die Mandola, die eigentlich eher in den südeuropäischen Raum passt. Filip Jers an der Mundharmoniak fungiert quasi als Bindeglied zwischen den Kulturen, bewegt sich behende zwischen Trauer und Hoppsassa. Augen und Ohren der Betrachter wie Konzertgänger dürften allerdings und vor allem an Micaela Vaz hängen bleiben, die mit ihrer exklusiven Alt-Stimme alles in ihren Bann zieht. Sie versucht erst gar nicht, sich der schwedischen Sprache auszuliefern, sondern bedient sich ausschließlich des Portugiesischen. Dafür tauchen die drei restlichen Musikanten vor allem auf den Instrumentaltiteln ein in die beschwingte Folklore Nordeuropas.

www.stockholmlisboa.com