Neue Platten

Françoiz Breut - Une Saison Volée

Genre: Indie-Chanson
Label:Le Pop Musik (Groove Attack)
CD, VÖ - 17.10.2005

Kategorisierungen sind ja bekanntermaßen immer nur so eine Art Krückstock. Helfen nur ganz bedingt und führen oft in die Irre. Und so sind denn auch die Begriffe „Neo-Chanson” oder „Nouvelle Scène Française”, mit denen Françoiz Breut immer wieder gerne belegt wird, nur die halbe Wahrheit und kaum in der Lage, das wahre Spektrum dieser außergewöhnlichen Künstlerin wiederzuspiegeln. Waren ihre Beiträge auf den Le Pop-Samplern gerade mal knusprige Appetithäppchen, so sind Breuts eigene Alben ausgesuchte Delikatessenläden. War schon ihr erstes in Deutschland veröffentlichte Werk „Vingt A Trente Mille Jours” nur schwer in die traditionelle Chanson-Ecke zu schieben und vielmehr eine ausgereifte Indie-Produktion, so setzt „Une Saison Volée” diese eingeschlagene Richtung beharrlich weiter fort. Natürlich kreuzt Breut immer wieder die Pfade von Hardy, Greco oder Gall, aber genauso schnell verläßt sie diese auch wieder, um sich mit Calexico oder den Tindersticks ans Lagerfeuer zu setzen, sich mit der Alternative-Fraktion zu verbrüdern oder mit schwedischen Folkpoppern kompositorische Gedanken auszutauschen.
Vielseitigkeit bedeutet auf diesem Album vor allem, daß sie eine Vielzahl von Autoren interpretiert, was zwangsläufig immer neue stilistische Ausrichtungen mit sich bringt. So bewegt sich beispielsweise „La Vie Devant Soi” von Federico Pellegrini, Sänger der französischen Band Little Rabbits auf einer schiefen Ebene zwischen Americana und Yann Tiersen-Romantik, das von Jaime Cristobal stammenden und auf spanisch gesungene „Ciudad Del Mar” dagegen zwischen Düstermelancholie und Knisterelektronik. Aber auch alte Weggefährten bzw. Lebensabschnittspartner wie Jérôme Minière („La Certitude”, „Une Ville Allongé Sur Les Dos”) oder Dominique A („Km 83”, „Contourne-Moi”) versorgen Françoiz Breut immer noch verlässlich mit exquisiten Perlen französischer Emotionsmusik.
Es ist also nicht nur die kontrastreiche Verkettung sehr glücklicher Umstände, die dieses Album so unbedingt hörenswert macht, es ist natürlich auch die unglaublich verzaubende Stimme, dessen Timbre von melancholisch über lausbubenhaft bis feminin-selbstbewußt reicht. Françoiz Breut kann man ohne zu übertreiben als eine Lichtfigur der zeitgenössischen französischen Musik bezeichnen. Ohne sie würde es da sehr viel dusterer aussehen.

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