Neue Platten

Aaron Neville - My True Story

Genre: RetroPop
Label: Blue Note (EMI)
CD, VÖ: - 11.01.2013

Man kann es fast schon als Gesetz der Serie bezeichen: je älter ein Profi-Musiker wird, desto tiefer buddelt er im Sandkasten seiner Vergangenheit. Der Soul- und Blues-Bruder Aaron Neville ist da geradezu ein Paradebeispiel. Nun, da er die 70er-Schallmauer durchbrochen hat, erzählt er seinen Fans endlich seine „wahre Geschichte”. Und das ist ein gradliniger Blick zurück ins „Doo-Wop“-Zeitalter in 12 wehmütigen Kapiteln. Folglich müssen seine in der Vergangenheit zur Schau gestellten Macker­attitüden (mit Bizepsspielchen und Backentattoo) ein bewußt aufgesetzter Fake gewesen sein. Denn wer beispielsweise „Tears On My Pillow” oder „Goodnight My Love” als seine ureigensten Herzens­angelegen­heiten proklamiert, dem nimmt man ein solches Gepose fortan nicht mehr so richtig ab. Aaron Neville hat sich also erlaubt, gnadenlos den Rückwärtsgang einzulegen. Für eine standesgemäße Getriebe­schmierung haben ihm dabei Größen wie Keith Richards und Don Was musikalisch und produzententechnisch unter die Arme gegriffen und an Gästen wurde natürlich auch nicht gespart - allesamt anerkannte Studiomusiker, die sich bereits bei Norah Jones, Sheryl Crow oder Bob Dylan verdingt hatten. Krone der Dutzend-Schöpfung natürlich die Stimme Aarons, die hier vor Inbrunst ganz besonders stark ins Vibrieren kommt, was einem nicht selten dann doch als etwas zu dick aufgetragen erscheinen muss. Diese geballte Ladung an rührseliger Retromunition ist sicher nicht jedermanns Sache und bestätigt wieder mal die These, dass selbst gestandene R ’n’ B Rocker irgendwann mal während des Wettlaufs mit der Hippness einknicken, um ihr wahres Gesicht zu zeigen und ihre wahre Geschichte zu offenbaren, was dann, wie hier, in schwülstigem Schmusepop endet.

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