Neue Platten

Cheikh Lô - Lamp Fall

Genre: West Afrika
Label:World Circuit (Indigo)
CD, VÖ - 24.10.2005

Schon mit Veröffentlichung seines ersten Albums „Ne La Thiass” war klar, daß mit dem damaligen Newcomer Cheikh Lô aus Burkina Faso ein neuer, großer Stern am Himmel Afrikas aufgegangen war. Ein schlacksiger Mann aus Westafrika, gewandet in buntes Tuch (das Markenzeichen seiner islamischen Zweig-Religion Baye Fall) und auf dem Kopf ein Wust von Dreadlocks. Seine Musik eine Mischung aus bekannten westafrikanischen Mbalax-Rhythmen, kubanischer Guajira, einer Prise Jazz, etwas Kongo-Rumba und Kapverdischer Morna. Große Worte überall, von einem zweiten Youssou N’Dour war da sogar die Rede, vielleicht auch wegen seiner Ähnlichkeit in der Stimme. Eins steht jedenfalls fest: der Mann hat Charisma ohne Ende.
Nach sechsjähriger Pause jetzt also sein dritter Streich und der hält – aber hallo – all das, was man sich von ihm nach dieser Durststrecke versprochen hatte. Cheikh Lô toppt noch dazu seine bisherigen Veröffentlichungen, denn „Lamp Fall” klingt eine ganze Ecke runder, weltoffener und beschwingter, als man das erwarten durfte. Das liegt nicht zuletzt daran, daß zu seinen schon fast zur Tradition gewordenen Cuba-Ausflügen nun auch noch Reggae, strammer Afro-Beat und – man höre und staune – deftige brasilianische Beats kommen. Klar, als Westafrikaner man es nicht ganz so weit bis Bahia und so hat sich denn auch der sich anbietende Kulturaustausch zwischen Südamerika und Afrika zu einem erstaunlich coolen Sound entwickelt. Die Zusammenarbeit mit der Gruppe Ilê Aiyê, und da speziell mit den Drummern des Afro-Blocos, kann als eines der Highlights dieses Album gelten. Wuchtige Poly-Rhythmen, Talking Drum, fesche Bläser und senegalesischer Funk verbinden sich zu einem beeindruckenden Multifunktionsschauspiel. Zurück auf afrikanischem Boden geht’s dann tanztechnisch gerade mal so weiter: kongolesische Rumba bzw. alte Soukous-Rhythmen geben den Ton an, aber auch balladiger Guinea-Jazz macht geschmeidig die Runde.
Cheikh Lô ist also nicht nur ein Katalysator für internationale Klangsymbiosen, er weiß auch mit den verschiedensten afrikanischen Strömungen aus Alt- und Neuzeit virtuos umzugehen. Insofern sind die 51 Minuten Spielzeit eigentlich viel zu kurz.

www.worldcircuit.co.uk
www.amazon.de