Neue Platten

Ruth Wilhelmine Meyer, Helge Lien - Memnon

Genre: Jazz experimentell
Label: Ozella Music (Galileo MC)
CD, VÖ: - 25.01.2013

Der norwegische Pianist Helge Lien ist dafür bekannt, die eher unkonventionellen Jazzpfade zu beschreiten. Ein Ergebnis dieser alternativen Herangehensweise haben wir bereits mit dem Album „Kattenslager“ auf unseren Seiten vorgestellt.
Wer da aber noch einen draufgesetzt haben will, der greife zu „Memnon“, Liens Zusammenarbeit mit der Sängerin Ruth Wilhelmine Meyer aus Tromsø. Inhaltlich geht es um eines der norwegischen Nationalheiligtümer, den Dramatiker Henrik Ibsen. Aber statt sich diesem Gesamtkunstwerk ehrfurchts- und respektvoll nach alter Väter Sitte zu nähern, hat man dann doch lieber den aufregenderen Weg durch ein geheimnisvolles künstlerisches Dickicht gewählt. Mit anderen Worten die beiden Akteure agieren nicht erwartungsgemäß, sondern wählen die Tour-de-Force-Gangart. Das CD-Beiblatt spricht von „extremen Lösungen“, die „spannend wie ein Krimi“ seien und „klar wie ein Sternenhimmel“. Nun ja, man will halt diese geballte Ladung Experiment unters Volk bringen. Aber allen Ästheten sei gesagt: die Welt des Henrik Ibsen bzw. seine literarischen Charaktere werden hier ordentlich verhackstückt. Vor allem Ruth Wilhelmine Meyer schöpft da aus dem Vollen und bringt ihren Stimmumfang von 5 Oktaven voll zur Geltung. Sie kreischt, zirpt, quäkt und zetert, ohne dabei auch nur ein einziges Wort zu benutzen, das dem versierten Linguisten vielleicht bekannt vorkäme. Lien begleitet all diese Eskapaden in gewohnt energischer Weise. Bleibt die Frage offen, ob Ibsen davon begeistert gewesen wäre. Wir wagen das zu bezweifeln.

www.wilhelmine.no
www.helgelien.com