Neue Platten

Nick Woodland - Something I Heard (Live)

Genre: Blues / Rock ’n’ Roll
Label: Downhill Records (Galileo MC)
CD, VÖ: - 08.02.2013

Bewunderung oder Mitleid - das ist hier die Frage. Bewunderung dafür, dass Nick Woodland als wackerer Ü-60er immer noch so innig mit traditioneller Blues- und Rockmusik verbandelt ist wie Helmut Schmidt mit der Tabakindustrie oder Mitleid dafür, dass der Londoner mit der festgewachsenen Zylinder-Corporate-Identity immer noch durch die deutsche Kleinklublandschaft tingelt, dabei nicht aus seiner alten Haut herauskommt und olle Kamellen zum Besten gibt, die man als identitätssuchender Jugendlicher vielleicht mal vor 40 Jahren gut gefunden hat. Irgendwie ein Dilemma.
Nick Woodland war noch bis vor kurzem Teil der Münchener Ringsgwandl-Band, hat sich jetzt aber für eine Karrierefortsetzung ohne den Cabaret-Hektiker entschieden. Woodland wollte scheinbar wieder „back to the roots”, die er allerdings schon seit fast einem halben Jahrhundert betreut. Ihm zur Seite Manfred Mildenberger (Drums) und Klaus Reichard (Keys/Pedal Steel), die ebenfalls bei Ringsgwandl zu finden sind oder waren. Schließlich noch Tom Peschel am Bass, der mal bei Bully Herbig gejobbt hat. Aufgenommen wurden die 12 Tracks live im Lustspielhaus zu München und im Alten Kino im österreichischen Rankweil.
Konzertante Überraschungen: Fehlanzeige. Die Band spielt sich standesgemäß von Bo Diddley bis Cowboy Jack Clement durch das Gestrüpp alter Riffs und Grooves, Woodlands Eigen­kompositionen, bzw. die persönlichen, nicht gerade von Kreativität geprägten, Nachempfindungen alter Klassiker animieren mehr zum Gähnen als zum Frohlocken. Den Drive eines Stevie Ray Vaughan sucht man ebenso vergeblich, wie unbekümmerte Arbeitsweise eines David Lindley. „Something I Heard” entspricht in seiner Energieausbeute also eher einer Easy-Rider-Veteranen­veranstaltung.

www.nickwoodland.de