Neue Platten

Evo - Eva

Genre: Mittelalter-Folk
Label: Songsurfer Records (Cargo)
CD, VÖ: - 15.02.2013

Man hat es ja (mit ein wenig Glück) bereits in der Schule gelernt: Spanien war zu seinen mittelalterlichen Glanzzeiten ein großer Schmelztiegel der Kulturen. Araber, Juden, Gallier, Griechen und Römer hinterliessen tiefe Spuren in Religion, Kunst und Musik. Deswegen nimmt es auch nicht Wunder, wenn sich heute der eine oder andere Musiker dieser außergewöhnlichen Vielfalt seiner Vorfahren annimmt. In unseren Breiten ist Michael Popp von der Gruppe Estampie dafür bekannt, intensive musikalische Ahnenforschung zu betreiben, im spanischen Valencia ist es Efrén López, der Gründer der Folkband „L’Ham de Foc“ und Initiator von „Evo“, einem Quartett, das sich ganz der mittelalterlichen Musik der Troubadoure verschrieben hat. Das klingt zunächst einmal sehr spröde und ökig, erweist sich aber nach genauerem Durch­hören des Debutalbums „Eva” als durchaus hörenswerte Alternative zu bereits bekannten Bands dieses Genres. Die 13 Songs dieses Albums stammen allesamt aus dem 12. bis 14. Jahrhundert und werden vorwiegend mit dem damals üblichen Instrumenteninventar umgesetzt. Hackbrett, Dudelsack, Harfe, Drehleier und Blockflöte sind hierbei nur die gängigsten Werkzeuge. Will man den Sound dieser Band charakterisieren, so geht die Tendenz eher in Richtung „Estampie” oder „Dead Can Dance” als zur extrovertierten und etwas übertriebenen Inter­pretation von beispielsweise „Corvus Corax”. „Evo”-Chef Efrén López ist sehr darum bemüht, „schöngeistige” Anspruchsmusik zu machen, einen modernen Minnesang zu zelebrieren, der in Schmerz und Sehnsucht schwelgt, es dabei aber vermeidet, in banalen Kitsch abzugleiten. Erwähnenswert ist dabei die Stimme des Sängers Iván López Sanz, der zwar aus der Rockmusik kommt, dort aber mit seinem androgynen Organ wohl irgendwie auf verlorenem Posten war. Hier bei „Evo“ passt die Sache wesentlich besser. Unser Urteil: man sollte schon eine gewisse Affinität zum Thema „Mittelalter” mitbringen, um die Intentionen der Band gebührend nachvollziehen zu können. Nur ein Fan von „Dead Can Dance” zu sein, reicht da alleine nicht.

www.efrenlopez.net