Neue Platten

Meike Goosmann Quintet - Tender Tales

Genre: Jazz
Label: AJazz (NRW Vertrieb)
CD, VÖ: - 01.03.2013

Ist man zu sechst noch ein Quintet? Zumindest nur dann, wenn man sich als musikalisches Oberhaupt beim Durchzählen außen vor lässt. Und das bedeutet: Meike Goosman hat als Saxophonistin und Bassklarinettistin fünf weitere Musiker um sich geschart, die in ihrem Lineup ziemlich genau der Formation entsprechen, mit der sie 2007 das Album „Portraits” aufgenommen hat, allerdings mit einer Ausnahme: Bei „Tender Tales“ wirkt an der zweiten Gitarre jetzt noch Christian Kögel mit.
Inhaltlich wie stilistisch gibt es im Vergleich zum Vorgänger nur unwesentlich Neues zu berichten. Meike Goosmann dominiert nach wie vor mit ihrer leichten (aber beileibe nicht seichten) Spielweise die Szene und überzeugt durch ihre weibliche Sichtweise der Dinge. Neue und entscheidende Kreativitätsschübe hat sie sich unter anderem von historischen Personen verleihen lassen, die ihr (zumindest geistig) nahe stehen: Zum einen ist das die Prager Pianistin Alice Herz-Sommer, die als Theresienstadt-Überlebende dafür gesorgt hat, dass Meike Goosmann in ihr fast schon mehr als nur eine einflussreiche Kollegin sieht und zum anderen ist das Sylvin Rubinstein, ein jüdischer Tänzer, der zwar auch das Glück hatte, den Holocaust zu überleben, dafür aber seine Schwester verlor und später seine eigenen, als auch die Rollen seiner Schwester tanzte. Beiden Personen wurden separate Stücke gewidmet, die in ihrer feinsinnigen Ausarbeitung beeindrucken. Es liegt also viel emotionsgeladene Spannung in der Luft, die Meike Goosmann (und Julia Hülsmann am Piano) sehr elegant, mit viel Hingabe und femininer Intuition in musikalische Skulpturen umsetzen. Aber auch ihre männlichen Kollegen sind ihr - sowohl solistisch als auch in der Begleitung - dabei eine unüberhörbare Stütze. „Tender Tales” ist, wie es der Name schon andeutet, eine Sammlung zärtlicher Geschichten, die zwar alle im modernen Jazz verankert sind, aber dennoch mit einer solch universellen Struktur versehen sind, dass man auch als Nicht-unbedingt-Jazzer beindruckt sein darf.

www.meikegoosmann.de