Neue Platten

Koby Israelite - Blues From Elsewhere

Genre: Balkan/Klezmer/Blues/Rock
Label: Asphalt Tango (Indigo)
CD, VÖ: - 15.03.2013

Gemischtwarenladen die nächste. Bei Koby Israelite weiß man nie so recht, woran man nun eigentlich ist. Bei ihm geht alles drunter und drüber und das mit System. Der in Tel Aviv geborene und seit längerem in London lebende Rumpelstilz quirlt mal wieder alles durcheinander, was nicht niet- und nagelfest ist. Gypsy, Jazz, Mittlerer Osten, Balkan, Metal, Raï, Klezmer und Retrorock - der Mann macht vor nichts Halt. Dass das aber mitnichten eine furchterregende Ramschmusik ist, beweist seine Diskografie: vier Alben hat er bereits beim renommierten New Yorker Tzadik-Label von John Zorn veröffentlicht und damit befindet er sich automatisch in der obersten Etage des musikalischen Anspruchs. Tzadik steht für hochwertige Avantgarde und experimentierfreudige Crossovergeschichten. Und damit ist auch das nun beim Berliner Label Asphalt-Tango herausgekommene Album wieder randvoll. Für Koby Israelite gibt es keine stilistischen Beschränkungen. Kaum ein anderer versteht es, beispielsweise Johnny-Cash-Country-Rock mit dem Roma-Akkordeon zu kombinieren, kaum einem anderen gelingt es so perfekt, die nordamerikanische Slide-Gitarre in die bulgarische Gypsy-Szene einzubinden oder die armenische Sehnsuchtsflöte Duduk mit hebräischem Gesang in einer Rock-Ballade so elegant zu kreuzen. Was mitunter etwas irritiert, sind die plötzlich auftretenden Breaks, die ohne Vorwarnung von Akkordeon auf Heavy-Metal-Riffs schalten. Natürlich steckt da sein ganz persönliches System dahinter, trägt aber nicht unbedingt dazu bei, bei einer etwas zarter besaiteten Hörerschaft zu punkten, die trotz aller krachigen Ausreißer dennoch bestens bedient wird. Vor allem die beiden Sängerinnen Annique und Mor Karbasi verspühen viel Charme und versüßen so manchen Track noch zusätzlich. Fazit: „Blues from Elsewhere” ist ein gelungenes Do-it-yourself-Album eines ausgepägten Visionärs zwischen vielen Welten und Stilen. In jedem Fall hörenswert.

www.kobyisraelite.com