Neue Platten

The Strays - Don’t Sleep

Genre: Singer/Songwriter
Label:One Little Indian (Rough Trade)
CD/DVD, VÖ - 28.10.2005

Beim Thema Singer/Songwriter denkt fast ein jeder erst einmal unwillkürlich an Lagerfeuer-Romantik, an Folk- und Country-Freaks, die sich mit vorgehaltener Akustik-Gitarre in ihren Alltagserlebnissen suhlen und nicht selten vor lauter ländlicher Introvertiertheit nicht mehr den Weg in die urbane Stadtlandschaft finden. Wie man dieser Schimäre elegant aus dem Weg gehen kann und wie man vor allem das stille Musizieren mit Großstadtvorzeichen verbinden kann, beweisen Matthew Ryan und Neilson Hubbard, die als „The Strays” ein Songwriter-Duo der besonderen Klasse bilden. Nicht nur daß sich die beiden hier ungemein brilliante und tiefgängige Songs aus dem Zwirn geleiert haben, sie setzen diese Masterpieces auch gleich noch mit Hilfe von ausgesuchten Regisseuren in entsprechende Video-Clips um, die sich wohltuend in ihrem künstlerischen Anspruch vom sonstigen MTV-etc-Quark absetzen. Quirlig gezoomte Großstadtszenen von scharf bis unscharf werden untermalt von semi-akustischen Songwriter-Perlen, voyeuristische Einblicke in weibliche Alltags- und Traumwelten in Kombination von schlauer Popmusik-Ästhetik – so etwas und noch einiges mehr bekommt man nicht alle Tage geboten.
Hubbard und Ryan erweitern das Singer/Songwriter-Genre zudem um gleich mehrere Dimensionen, sowohl optisch durch die bereits erwähnten künstlerisch anspruchsvollen Clips, als auch akustisch durch das harmonische Miteinbeziehen von dezenten Rock ‘n’ Roll und Elektronik-Zutaten. Auf diese Weise entsteht eine magische Stimmung, wie man sie bisher eigentlich nur von den Tindersticks oder Prefab Sprout gekannt hat. Erweitert wird das Duo auf fast allen Songs von einem illustren Freundeskreis: Brian Bequette (Garrison Starr) bedient die elektrischen Saiten, Billy Mercer (Ryan Adams) zupft den Bass und Steve Latanation (Agent Orange) schlägt die Drums eher zärtlich als deftig. Alles in allem ein beruhigendes und zurückhaltendes Album, das trotz all seiner poetischen Zerbrechlichkeit immer wieder mit handfesten Koordinaten aufwartet. Da kann man nur sagen: gut, daß es immer wieder Leute von Format gibt, die in der Lage sind, der Pop-Musik-Branche ein Highlight wie dieses zu bescheren.

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