Neue Platten

Christian Zehnder, Gregor Hilbe - Oloid

Genre: Stimme alternativ
Label: Traumton (Indigo)
CD, VÖ: - 22.03.2013

Es gibt Musik, die findet nie ihren Weg ins Formatradio. Und selbst Nischen­pro­gramme und Kulturkanäle tun sich mitunter schwer, bestimmte Künstler zu thematisieren. Der Schweizer Stimmsolist Christian Zehnder ist solch ein Fall. Zwar genießt er inzwischen in Insiderkreisen so etwas wie den vielzitierten Kultstatus, aber eine große Breitenwirkung erreicht er leider dennoch nicht. Grund genug, hier sein neuestes Werk vorzustellen.
Das Album nennt sich „Oloid”, angelehnt an eine Skulptur des Schweizer Bild­hauers Paul Schatz, die er Ende der 30er Jahre erschaffen hat. Es handelt sich dabei um einen aus zwei Kreisen geformten kantenlosen Körper, der, lässt man ihn eine leicht geneigte Fläche hinabrollen, eine eigene rhythmisch-pulsierende Bewegung vollzieht. Und genau daran haben sich Christian Zehnder und Gregor Hilbe mit ihrer Musik orientiert.
Bei der CD „Oloid” geht es also im weitesten Sinne um Skulpturenmusik. Auf der einen Seite steht Zehnder, der Stimmakrobat, der mit Obertongesang, Jodeltechnik und Stimmbandartistik eine fast schon schamanische Stimmungslandschaft inszeniert. Auf der anderen Seite steht Gregor Hilbe, ein Perkussions- und Elektronik-Spezialist, der diese vokalen Extravaganzen ungemein magisch und flexibel begleitet. Alles unterliegt einer strengen konzeptionellen Temperierung, ist aber dennoch für den Hörer ein leicht verwertbares Kunststück, wenngleich auch auf hohem künstlerischen Niveau, auf das man sich gerne und immer intensiver einlassen kann. Dabei besteht nie die Gefahr, an atonalen Klippen hängen zu bleiben, denn die beiden Musiker fangen den Hörer immer wieder mit pulsierender Rhythmik auf, womit wir auch schon wieder bei der Kunstform des Oloids sind.
Zehnder verwendet neben einigen wenigen Ausflügen in die alpine Jodelwelt das argentinische Bandoneon und zusammen mit seinem Partner sogenannte „Organ Mouthpipes“, aus Holz gefertigte Tieftonröhren, die wie eine Orgel oder ein Harmonium klingen. Zusammen mit feinen Elektronikeffekten ergeben sich daraus immer wieder faszinierende Klangkonstellationen, die zwischen kunstvoller Magie, augenzwinkernder Clownerei und purer Avantgarde liegen.

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