Neue Platten

Kerstin Blodig - Trollsang

Genre: Nordic Folk
Label:Westpark Music (Indigo)
CD, VÖ - 17.01.2005

Daß die Einwohner des hohen europäischen Nordens ein wenig introvertiert oder in sich gekehrt erscheinen, erklärt sich zum einen sicher aus der geringen Anzahl von Sonnenscheinstunden pro Jahr, die man in Nordskandinavien erlebt, zum anderen auch aus der Tatsache, daß der Nordmensch dort oben nur selten auf seinesgleichen trifft, treckt er durch den Wald oder rudert die Küstensäume ab. So ist es auch kein Wunder, wenn Sagen und Geistergeschichten wie Blaubeeren aus dem Boden schießen und von denen singt die Norwegerin Kerstin Blodig gerne immer mal wieder ein Liedchen, weil sie Gefallen gefunden hat an überlieferten Mythen und der Magie der „Unterirdischen”, wie die nordischen Trolle auch gerne genannt werden. Mal tut sie das alleine, mal mit ihrem engen Kollegen Ian Melrose (der von Clannad) unter dem Namen Kelpie oder zusanmmen mit ihrer Gruppe Valivann.
Der Rahmen ist also abgesteckt für das, was man auf Blodigs Alben antrifft. Nordische Mythenmusik macht sie, angereichert mit zeitgenössischen Pop-Elementen und vermischt mit keltischen Einflüssen, denn die alten Norweger kamen ja bekanntlich dereinst bis nach Schottland rum.
Kerstin Blodigs kristallklares Feen-Organ kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß viele ihrer Songs immer ein bißchen esoterisch angehaucht und leicht überproduziert klingen. Das liegt zum einen sicher an ihrer oft und gern eingesetzten Kopfstimme, die mir zu sehr mit ihrer holden Weiblichkeit kokettiert, sowie am Repertoire, denn sie schöpft zumeist aus dem tiefen und antiquierten Fundus des norwegischen Mittelalters, zum anderen trägt die Instrumentierung zu diesem Phänomen bei, die sich im vorliegenden Fall hauptsächlich auf ihre, die Stimme begleitende, Gitarrenarbeit beschränkt und nur selten (d. h. bei Instrumentalstücken) als intensiv genutztes Handwerkszeug benutzt wird.
Insofern kann sicher nicht unbedingt jeder ein inniges und intensives Verhältnis zu den Blodig-Songs aufbauen, was mir zum Beispiel bei ihrer Landsmännin Kari Bremnes weitaus besser gelingt. Trotz aller Emotionsbemühungen der Künstlerin und trotz allem poetischen Tiefgang bleibt eine gewisse Distanz, die sich auch durch mehrmaliges Anhören nicht ausräumen läßt.

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www.westparkmusic.de