Neue Platten

Gilad Atzmon & The Orient House Ensemble - Songs of the Metropolis

Genre: Jazz
Label: World Village (Harmonia Mundi)
CD, VÖ: - 15.03.2013

Geboren in Jerusalem, wohnhaft in London. Gilad Atzmon ist dank seiner künstlerischen Vergangenheit bekannt als politischer Jazz-Aktivist. Aber auch als Roman­schreiber rüttelt er gerne an den Grundfesten seiner Heimaterde bzw. den darauf ihr Unwesen treibenden Politikern.
Mit „Songs of the Metropolis” hat er sich zur Abwechslung mal eine agitative Auszeit gegönnt und befasst sich mit dem Charme von Großstädten, der früher noch viel deutlicher als heute mit künstlerischen Mitteln zu fassen war. Anhand von acht Städten (der neunte Song handelt von „Irgendwo in Italien”) vertieft sich Atzmon in die jeweilige Stimmungslagen, die in den jeweiligen Metropolen seiner Ansicht nach vorherrschen oder einmal vorgeherrscht haben. Bei Paris ist das beispielsweise das Phänomen „Liebe”, bei Tel Aviv verfolgt er die tragische Komponente, Wien rühmt er für seine Lieblichkeit und Moskau für seine sinnbildliche Größe. Natürlich orientiert sich Atzmon dabei an weitverbreiteten Klischées, die fast jeder für die entsprechenden Orte im Kopf hat, malt sie aber mit seinen ganz eigenen Farbstiften aus. Das gelingt ihm in der Regel auch ganz gut. Bei Buenos Aires schwelgt er im Tango-Pathos, und Manhattan steht für seine Liebe zu Amerika. Den längsten Song allerdings widmet er einem Kaff, das mit dem Status einer Metropole so wenig zu tun hat wie Salzburg mit einem Überseehafen: es ist die ostenglische Küstenstadt Scarborough („as opposed to London” - wie Atzmon im Booklet anmerkt), für die er auf die traditionelle Volksliedversion „Scarborough Fair” einschwenkt und sie ausgiebig umformuliert. Was sich Atzmon allerdings dabei gedacht hat, für Berlin einen 2-Minuten Schunkelwalzer mit 20er-Jahre-Ballhausatmosphäre auszusuchen, bleibt am Ende doch etwas verwunderlich.

www.gilad.co.uk

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