Neue Platten

Balkan Beat Box - Balkan Beat Box

Genre: Crossover Balkan/Arab
Label:Essay Recordings (Indigo)
CD, VÖ - 28.10.2005

Na, da hat sich der Bucovina Club ja eine schöne Konkurrenz eingefangen, und das auch noch im gleichen Haus, labeltechnisch gesehen. Da wo bisher DJ Shantel bei den Essays den Balkan mit all seinen Ausläufern bereits mit 2 abgefahrenen Teilen schwer aufgemischt hat, setzen die Frankfurter Cultureclash-Spezialisten mit der Balkan Beat Box nun noch eins obendrauf. Das BBB-Kollektiv ist dabei sowohl in der personellen Zusammensetzung als auch im dargebotenen Musikalienspektrum sogar noch eine Runde vielseitiger, als es der shantelige Plattendreher eh schon war. Das Herz der BBB sind nämlich zwei Israelis mit weit verzweigtem Stammbaum und Tel Aviver bzw. New Yorker Underground Sozialisierung. Das bedeutet im einzelnen, daß Ori Kaplan an seine Klezmer-Roots im Big Apple gleich noch ein paar Jazz- und Punkrock Äste angestückelt hat und sein emsiger Mitstreiter Tamir Muskat, ein Drummer mit rumänischen Vorfahren, mischte in New York die Szene mit schrillem Electro-Gypsy-Punk auf und tourte mit Rockern wie Jon Spencer, den White Stripes oder der Indie Band Tom Tom Club.
Das was die beiden nun zusammen auf die Beine gestellt haben, ist ein wundersames Gemisch aus all dem, paßt einerseits so recht in den derzeit grassierenden Balkan-Hype von Bukarest bis Skopje, andererseits geht er noch weit über diesen hinaus, denn es kommt hier nicht nur hart gespieltes Blech aufs Tapet, sondern auch noch pumpende marokkanische Gnawa-Beats, harter Kibbuz-Punk, filigrane Ägäis-Sounds, jemenitische Gesänge oder HipHop aus der Bronx, vermischt mit krachigen Metal-Samples. Und so darf man sich nicht wundern, wenn dieses Gebräu aus Stilen und Kulturen ein Hochexplosives ist, das einen mit angelegten Ohren und Schwindelgefühlen im Kopf zurückläßt. Vom Gummi im Gebein ganz zu schweigen, denn fast alle Songs sind hochgradig tanzflurtauglich. Durch Elektro-Filter gepresste Orient-Perkussion, bulgarischer Mädels-Chor, schräger Nahost-Dub im 9/4 Takt und flirrende Sahara-Beats, zum Schluß noch ein deftiger Anti-Bush-Belly-Dance und fertig ist eine Mega-Sause, wie sie die alternative Weltmusik-Szene bisher noch nicht erlebt hat. Sack und Asche! Hier geht’s fett zur Sache.

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