Neue Platten

Wolfgang Puschnig - For the Love of It

Genre: Jazz/Volksmusik
Label: Col Legno (Harmonia Mundi)
CD, VÖ: - 19.04.2013

Ein Experiment zwischen Jazz und Volksmusik – so könnte man dieses Unterfangen umschreiben, das der Kärntner Saxophonist Wolfgang Puschnig hier in die Welt gesetzt hat. Jazzer aus Fleisch und Blut, hat er sich an ein Thema gewagt, das sicher nicht einfach zu handhaben ist: Die Verbindung von musikalischer Tradition seiner slowenischen Wurzeln mit emotionaler Poesie, auf Basis eines kammermusikalischen Jazz-Ensembles. Wie viele seiner Generation, hat auch Puschnig in der Jugend unter dem Diktat der volksmusikalischen Verdummung gelitten. Peter Alexander oder Udo Jürgens hinterließen ähnlich markante Spuren, wie das traditionelle kärntnerisch/slowenische Chor(un)wesen. Das Gegenextrem war Pop in all seinen erdenklichen und bedenklichen Auswüchsen. Als Ausweg blieb Wolfgang Puschnig nur der Jazz. Und da hat er es, wie wir wissen, sehr weit gebracht. Er gründete das Vienna Art Orchestra, er spielte u.a. mit Hans Koller, Carla Bley und dem Franzosen Michel Godard.
Und nun das: Puschnig zusammen mit zwei Jazzkollegen, einer Mezzosopranistin, einem Querflöten-Oktet und einem Männergesangsquartett auf volksmusikalischer Spurensuche. Das Ganze läuft unter der Bezeichnung „lyrisches Klangexperiement”. Gemeint ist eine Vernetzung aus kärnterischen und slowenischen Texten mit eigenwilligen Kompositionen aus freigeistigem Jazz. Eine insgesamt sehr leichtfüßige Angelegenheit, die zwischen Filmmusik, Heimatlied und Landschaftsmalerei changiert, lediglich die argentinische Sängerin Bernarda Fink wirkt in ihrer klassischen Art etwas zu pathetisch.
Wolfgang Puschnig hat mit „For the Love of It” eine Grenzerfahrung im wahrsten Sinne des Wortes geschaffen, die allerdings eher ältere Semester ansprechen dürfte, deren Blickwinkel sich auf die „reifere” Musik fokusiert hat. Man lasse sich dennoch angenehm überraschen.

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