Neue Platten

Impulsive! Unmixed/Reworked - (V. A.)

Genre: Jazz/Elektro
Label:Impulse/Verve (Universal)
2 CD - 28.10.2005

Aus Alt mach Neu. Nach diesem Strickmuster hatten Jazz-Gourmets mit der Verve-Serie „Unmixed//Remixed” bereits in drei Durchgängen die Gelegenheit, mitzuverfolgen, wie aus ihren alten Klassikern im CD-Umdrehen neue, schicke und vor allem ziemliche hippe Neubearbeitungen entstanden. Bis dato griff man im Hause Verve/Universal allerdings bei der Ur-Materie stets auf den jazzigen Mainstream zurück und ließ den von aktuellen Elektronikern wie Matthew Herbert, Carl Craig oder Tricky so richtig gut durchharken. Größtenteils mit durchschlagendem, teilweise aber auch mit durchfallendem Erfolg.
Dieselbe Strategie nun auch auf den jazzigen Underground anzuwenden, lag zwar auf der Hand, wurde aber jetzt erst mit der Impulsive!-Reihe in die Tat umgesetzt. „Impulse” – das freigeistige Jazzlabel für alternativ denkende Jazzpioniere, bot da mit seinen Aufnahmen, die vor allem zwischen 1961 und 1974 entstanden, eine wahre Fundgrube an revolutionären Jazz-Meilensteinen, die auf dem „Unmixed” Teil zunächst einmal geortet und dann auf dem „Reworked” Teil standesgemäß seziert und wieder zusammengesetzt wurden.
Charles Mingus, Archie Shepp, Pharoah Sanders oder Chico Hamilton waren damals schon ihrer Zeit mitunter ganze Dekaden voraus und wenn man heute die George Russell Bigband von 1958 und deren Scatman Jon Hendricks hört, kommt einem mancher Rapper von heute wie ein maulfaules Rumpelstilzchen vor. Aber auch Gitarristen wie Gabor Szabo oder Trompeter wie Dizzy Gillespie gehörten mit ihren damaligen Veröffentlichungen auf Impulse zur argwöhnisch beäugten Kaste der Avantgardisten.
Diese Hipsters von einst zu remixen war somit keine leichte Aufgabe. Manch einer (wie Marc De Clive Lowe) behielt das Original (in diesem Fall Hamiltons „El Toro”) fest im Auge und beschränkte sich lediglich auf das Hinzufügen von flirrenden Synthiesound-Partikeln und einem milde gestimmten Damen-Chor. Andere (wie der Wu-Tang Chefproduzent Robert Diggs aka RZA) ließ auf „II B.S.” dem Seziermesser freien Lauf und klebte Charles Mingus in der dunkelsten Ecke seines Soundlabors wieder zusammen. Aber auch andere Hexenmeister wie Boozoo Bajou, Telefon Tel-Aviv oder Kid Koala ließen sich hier von großen Namen nur bedingt beeindrucken und brachten Bemerkenswertes zustande. Eine rundum gelungene Sache also, dieser Doppelpack, und mit den abgefahrenen Origialen ein ziemlich cooler noch dazu.

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