Neue Platten

Ion Petre Stoican - Sounds From A Bygone Age Vol. 1

Genre: Retro Gypsy
Label:Asphalt Tango (Indigo)
CD, VÖ - 01.11.2005

Die Berliner Tango-Männer haben’s schon ganz richtig erkannt: Wer sich der Musik Osteuropas verschrieben hat, muß auch deren Historie mit in sein Repertoire einbeziehen. Denn vieles aus der Gegenwart bezieht sich auf Vergangenes oder baut darauf auf. Und außerdem sind die diversen Schallarchive von Belgrad bis Bukarest für den ambitionierten Musikethnologen eine wahres Eldorado. Da wird so manches Gestöbere zu einem einschneidenden Aha-Erlebnis. So ähnlich muß es wohl auch im Falle Ion Petre Stoican gewesen sein, dessen einzigartiges Lebenswerk zwischen 1966 und 1977 beim Bukarester Label Electrecord eingespielt wurde und nun dank Asphalt Tango den Balkansüchtigen wieder zur Verfügung steht.
Stoican war so etwas wie ein Teufelsgeiger und stammte aus der rumänischen Schwarzmeer-Region. Als Kneipen- und Hochzeitsmusiker träumt man in der Regel nur von einem professionellen Plattenstudio und so mutet es fast wie ein Ammenmärchen an, daß Stoican als Belohnung für die zufällige Ergreifung eines Spions statt einem Haus einen Plattenvertrag in der Hauptstadt angeboten bekam. Es entstanden in der Folge mit Stars der damaligen Zeit nur so gespickte Lautari-Aufnahmen, die heute genauso begeistern, wie sie vor mehr als 30 Jahren die Leute vom Hocker gerissen haben und die Essenz daraus hat man hier zusammengetragen.
Flotte Tanznummern machen sich immer gut und so finden wir unter diesen 15 glänzend restaurierten Aufnahmen vorwiegend Horas und Sirbas, wie sie noch heute jede bessere Roma-Kapelle im Repertoire hat und auch von so aktuellen Bands wie Fanfare Ciocarlia, Mahala Raï Banda oder Taraf De Haidouks immer wieder gern unter die Leute gestreut werden. Stoican und der Mann am Cymbalom, Toni Iordache, sind dabei ein fast unschlagbares Team. Mit unglaublicher Präzision und in abenteuerlichen Geschwindigkeitsbereichen duellieren sie sich mit Akkordeon, Klarinette und Quäktrompete und selbst in langsamerer Gangart werden die Gesangs-Nummern dieser Allstar-Besetzung zu ergreifenden Herzschmerz-Angelegenheiten.
Also liebe Freunde, den Blick nicht immer nur auf die noch quicklebendigen Stars von heute richten, sondern auch mal ganz bewußt in Mottenkiste greifen. Daß sich dies durchaus lohnt, beweist dieses Album aufs beste. Und mehr wird folgen. Schließlich handelt es sich bei dieser CD gerade mal um Volume 1.

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