Neue Platten

Härdelin, Hallberg, Hertzberg, Ståbi - Love Letters & Russian Satellites

Genre: Folk
Label:Westpark (Indigo)
CD, VÖ - 28.10.2005

Wenn der Schwede auf Volkstümliches zurückgreift, endet er in den meisten Fällen bei mittelalterlicher Kultur, die landauf landab gehegt und gepflegt wird. Speziell in den rustikalen Gebieten Schwedens wird noch viel Wert auf Tradition gelegt und so wundert es nicht, wenn sich da plötzlich vier schicke junge Damen, die von ihrem äußeren Erscheinungsbild eher in eine Werbeagentur oder in einen Designerladen passen würden, nun mit der Jahrhunderte alten Musiktradition von Hälsingland auseinandersetzen, einer relativ dünn besiedelten mittelschwedischen Region, in der sich schon mal ganz gerne Rentier und Elch gute Nacht sagen.
Aber wer dort intensiv kulturell sozialisiert wurde und schon früh mit der dort ansässigen Musik in Kontakt kam, der kann damit sicher viel Freude haben. So gesehen haben die vier Ladies aus einem Steckenpferd flugs einen Beruf gemacht und sich hauptberuflich als Musikerinnen etabliert. Emma Härdelin ist die Sängerin von Triakel und Garmana, Katarina Hallberg die vom Trio Fata, Johanna Hertzberg singt bei Ditt Ditt Darium und Kapten Bölja und Kersti Ståbi war einmal bei Svart Kaffe und Envisa. Nach dem Motto: „Gemeinsam sind wir noch stärker” haben sie nun dieses Projekt über Liebesbriefe und russischen Satelliten in die Welt gesetzt, haben Archive und alte Aufzeichnungen durchforstet und schließlich 19 Songs aufgenommen, die von acappella bis zu akustischer Band-Folklore reichen, und die allesamt ihre Wurzeln in vergangenen Epochen haben.
Bunt ist dabei das Spektrum: Von Anleitungen zum richtigen Fischen, über lateinische Psalmen, Paul Gerhardt-Gedichte und Wiegenlieder bis hin zu einer augenzwinkernden Geschichte über russische Satelliten reicht die Themenpalette. Nicht zu vergessen die diversen Minne- und Moritatenlieder, die immer wieder durch die schwedische Folklore-Landschaft geistern und die das Damen-Quartet teilweise für dieses Projekt nach seinem Gutdünken modifiziert hat.
Auch wenn sich diese CD weit ab von trendigen Ethno-Lounge Pfaden bewegt und wohl mehr auf die Fraktion der ganzheitlichen-ökologisch angehauchten Musikkonsumenten abzielt, so enthält sie doch neben einigen etwas hausbacken klingenden Beiträgen ein paar sehr schöne und anmutige Volksweisen, die dem akustischen Reinheitsgebot alle Ehre machen und die man gerne im Kopf oder pfeifenderweise mit sich spazieren führt. Mittelschweden ist eben nicht der Balkan oder Bahia. Dafür liegt in der Sagenwelt von Hälsingland die Inspiration der stilleren Art.

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