Neue Platten

Aufgang - Istiklaliya

Genre: Klassik/Pop-Crossover
Label: Infine (Rough Trade)
CD, VÖ: - 10.05.2013

Es ist mal wieder eine verstärkte Lobpreisung angesagt. Trotz Myriaden von Veröffentlichungen im pop-affinen Bereich ist und bleibt ein echter Brenner ja nach wie vor die große Ausnahme. Diesmal handelt es sich um ein bemerkenswertes Trio multinationaler Herkunft, das aus diesem Grund schon mal prädestiniert ist, etwas Spezielles auf die Beine zu stellen.
Francesco Tristano, Pianist aus Luxembourg, Rami Khalifé, Pianist franco-libaniesischer Herkunft und der französische Drummer Aymeric Westrich spielen bereits seit 2005 zusammen, firmieren aber erst seit 2009 unter dem Namen „Aufgang“. 2010 erschien das erste Album („Aufgang“) und nun also „ Istiklaliya“ , ein kompaktes Werk zwischen Piano-Klassik, Dancefloor und Elektro.
Wie kann so etwas zusammengehen? Ganz einfach: von allen Zutaten nur das Beste verwenden, die Scheuklappen des jeweiligen Genres ablegen, eine gehörige Portion Musikgeschichte (von den 80ern bis Techno) mit ins Boot nehmen und das alles mit viel Sturm und Drang umsetzen. Aufgang’s Doppelpiano-Schlagzeug-Konstellation ist dank ihrer unorthodoxen Vorgehensweise in der Lage, althergebrachte Hörgewohnheiten komplett auszuhebeln. Neben verspielten Flügel-Etüden bollern wuchtige Tanzbeats und wimmern analoge Synthesizer. Das Trio verbindet orientalisches Kaffeehausklavier mit Hackepeter-Drums, die sich zu einem ausgewachsenen Kamelreiter-Derby steigern. Oder sie übersetzen Diego Maradona’s Dribbelkünste in musikalische Frickelbeats. Oder sie bezirzen den Hörer mit afrikanischen Geisha-Grooves aus 1001 Nacht. Zum Schluss dann noch ein Finale Grandioso in Form einer 13einhalb-minütigen Komposition, bei der noch einmal herzhaft Bilanz gezogen wird, inklusive meditativer Pause mittendrin. „Aufgang“ liefern erfrischend neue Ware ab, ganz ohne Abnutzungserscheinungen und fremde Fingerabdrücke. Mal eben was ganz anderes, so banal das auch klingen mag.

www.aufgang-music.com