Neue Platten

Erika Stucky - Black Widow

Genre: AvantgardePop
Label: Traumton (Indigo)
CD, VÖ: - 04.10.2013

Vor noch nicht allzu langer Zeit konnte man auf Erika Stuckys-Alben immer noch einen gewissen Bezug zu ihrer Schweizer Heimat herleiten. Das hat sich mit „Black Widow“ jetzt geändert. Ihr Orientierungssinn hat sie wieder zurück zu ihren amerikanischen Sozialisierungswurzeln geführt. Das beginnt auf dieser CD mit einer sehr eigenwilligen Interpretation von Leadybellys „Black Betty” und setzt sich fort in der Zusammen­arbeit mit engen Vertrauten des Tom Waits-Clans. David Coulter, Terry Edwards und Michael Blair standen allesamt mit dem amerikanischen Rumpel­stilzchen im Studio und/oder auf der Bühne und fanden, zum Teil unmittelbar, teils über Umwege, zu der Schweizer Extremkünstlerin. Das Album selbst wurde in London und Stockholm aufgenommen.
Arbeitet man sich Stück für Stück voran (ja, voranarbeiten ist hier durchaus der richtige Ausdruck), so trifft man immer wieder auf Klangmuster, die einem als alten Tom-Waits-Bewunderer irgendwie bekannt vorkommen. Allerdings waren Stucky und die ihr angeschlossenen Musiker so schlau, dies nicht zu übertreiben und so 16 Stücke auf die Beine zu stellen, die letztenendes doch eine ganz eigene Handschrift tragen. Natürlich ist da auch immer wieder der typische Stucky-Humor, ohne den keines ihrer Alben auskommt. Der bereits erwähnte Intro-Song ist da ein gutes Beispiel. Aber auch auf dem Beatles-Cover „Helter Skelter” erlebt man Erika Stucky wie sie leibt und lebt. Dennoch haben die drei Waits-Gefährten ausgiebig dafür gesorgt, dem Stucky-Repertoire eine ganze Reihe von neuen, interessanten Elementen hinzuzufügen. Insofern werden ihre Fans angenehm überrascht sein, der Schweizerin auf neuen, subversiven Pfaden zu folgen. Sie bleibt sich und ihrer extremistischen Musikauffassung also auch diesmal wieder treu. Merci vielmal für diese neuerliche Moritat.

www.erikastucky.ch

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