Neue Platten

Peresvet - Oi Moroz, Moroz

Genre: Volksmusik
Label:Eastblok (Alive)
CD, VÖ - 31.01.2005

Ein neues Label, mit dem Mut zur Nische: Eastblok hat sich auf die Fahnen geschrieben, der osteuropäischen Klangkunst eine Plattform zu bieten, egal ob das jetzt Party-Mucke la Russendisko oder ukrainischer Politdemo-Soundtrack ist. Es gehört aber schon eine gehörige Portion Selbstbewußtsein dazu, als Debut-Veröffentlichung ausgerechnet eine Scheibe herauszubringen, von der man zwar behaupten kann, das „Prädikat wertvoll” zu besitzen, aber nicht unbedingt ein stürmischer Kassenklingler sein wird.
Weitab von sämtlichen Pop-Pfaden finden wir Peresvet, den offiziellen und ultimativen Männer-Kirchenchor von Alexij II., dem Patriarchen von Moskau und Russland. Und sofort macht es „klick”: russischer Männerchor – das stereotype Bild drängt sich da auf von miltärischen Sängerknaben in Moik’scher Stadelumgebung oder volkstümlich überzüchteten Donkosaken, Stechschritt-Gassenhauer und Kalinka-Polka oder bestenfalls sängerische Auseinandersetzung mit mit finnischen Leningrad-Cowboys.
Und in der Tat ist es erst einmal schwer, Peresvet in eine andere Ecke zu stellen. Denn stimmlich sind sowohl russische Militär- und Kosakenchöre wie auch Peresvet nur zu schwer zu toppen. Nur will der Patriarchenchor eben kein folkloristisches Abziehbildchen sein. Und das ist der kleine, aber feine Unterschied.
Neben klassischen und kirchlichen Werken oder Ausflügen in Pop-Gefilde (wie zu Goran Bregovic) widmet sich Peresvet auf der hier vorliegenden CD der zweitliebsten Beschäftigung der Russen nach dem Kampftrinken, dem Tischlied. Wohlgesittet aber voller Inbrunst werden hier 15 Standardwerke russischer Geselligkeit aufgetischt, die angeblich jeder zwischen Don und Lena schon in der Wiege kennengelernt hat. A-cappella in höchster Vollendung, pathetisch-prall bis butterweich. Zwar ist uns die Russenseele in der Regel so unbekannt, wie der Wasserstand der Wolga zwischen Gorki und Kasan, dennoch läßt sich ein wenig anhand des dargebotenen Spektrums erahnen, was russischer Tiefgang in Punkto Liedgut bedeutet. „Oi Moroz, Moroz” ist Russensoul auf klassisch-geschultem Niveau mit erstaunlichem Kurzweil-Faktor.

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