Neue Platten

Hans Hassler - Hassler

Genre: Progressive Volksmusik
Label: Intakt Records (Harmonia Mundi)
CD, VÖ: - 08.11.2013

Und das Problem ist halt doch immer wieder die Einordnung, das Kategorisieren, die Schublade. Auch wenn sich viele – Musiker wie Kritiker – oftmals dagegen wehren oder gar verwahren. Aber irgendeinen Namen muss das Kind ja bekommen, will man es nicht im unbeachteten Niemandsland stehen lassen.
Und so kommen wir also nicht umhin, auch den Hassler Hans in einer für Konsu­menten greifbaren Ecke unterzubringen. Wir einigen uns daher erst mal auf den Begriff „progressive Volksmusik”, denn dort sind die beiden Pole erfasst, zwischen denen sich der Schweizer Akkordeonist schon eine ganze Weile bewegt und wo es sich bereits eine ganze Reihe ähnlich denkender Musiker bequem gemacht hat. Als da wären zum Beispiel: Christian Zehnder, Corin Curschellas, Erika Stucky, Lucas Niggli, Noldi Alder und Paul Giger.
Hans Hassler ist sowohl „Volksmusiker” als auch „Jazzer”. Seine Spezialität ist es, beide Horizonte schwungvoll unter einem Hut zu vereinen, ohne die Tradition zu verhunzen und ohne sich im verkopften Improvisieren zu verhaspeln. Hassler liebt es, bekannte Elemente aus der tradierten Volksmusik zu isolieren, sie zu modifizieren und auf den Kopf zu stellen, damit etwas Neues daraus entsteht, trotzdem aber eine ungehobelte Qualität erhalten bleibt. Um nichts anderes geht es auf dieser CD. Das Kuriose: Neben dem Perkussionisten Beat Föllmi wird der Ur-Schweizer mit Bündner Wurzeln begleitet von zwei Ur-Deutschen aus Bonn bzw. dem Vogtland - Gebhard Ullman (Bassklarinette) und Jürgen Kupke (Klarinette). Auf den ersten Blick also nicht gerade die erwartete Begleitung für ein eidgenössisches Musikerschwergewicht, bei näherer Betrachtungsweise allerdings die perfekte Ergänzung für Hans Hasslers musikalisches Anliegen, denn die beiden Bläser wissen sich mit einer perfekten Sicherheit in das Unternehmen einzubringen. Und so ist „Hassler” ein Album geworden, bei dem sich traditionelle Ländlerlehre perfekt mit kauzigem bis extravagantem Jazzertum paart.

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