Neue Platten

Ibrahim Maalouf - Illusions

Genre: Jazz/Rock
Label:Mi’ster (Harmonia Mundi)
CD, VÖ: - 15.11.2013

Hammer! Ein Album das einen ganz kirre macht. Einerseits, weil es so wunderbar zart-schmelzend ist, dass man vor lauter Wohlklang vergehen möchte, andererseits weil es so knallhart rockt und pumpt, dass man noch einmal zum Headbanger werden könnte. Der palästinensisch/französische Trompeter Ibrahim Maalouf ist also auf der einen Seite ein begnadeter, in sich gekehrter Jazzer (dies war auf seinem letzten Album „Wind” bereits ausführlich zu bewundern), auf der anderen Seite ist er aber auch ein kompromissloser, offensiver Rocker, der weiß, wie man Jazz mit treibenden Beats in Richtung Funk befeuert. Ungewöhnlich auch die Besetzung: Maalouf arbeitet zwar mit einer ganz herkömmlichen Rockmannschaft zusammen (also mit Bassist, Drummer, Keyboarder und Gitarrist), stellt dieser aber inklusive seiner selbst insgesamt vier Trompeten gegenüber, die das Rockquartet mit unglaublicher Schärfe würzen. Ruppige Gitarrensoli stehen demnach einer Blechsektion gegenüber, die mit vierteltöniger Präzision haarscharf vom Balkan bis in den Nahen Osten bläst. Die stillen Passagen, die ungefähr die Hälfte des Albums ausmachen, gleichen in ihrer tiefen Emotionalität dem Spiel eines Nils Petter Molvær oder eines Erik Truffaz, die Ansätze von Rock und Funk wiederum erinnern an die glorreichen Zeiten, als Billy Cobham mit seinem Album „Spektrum” dem Rockjazz einen gehörigen Schub nach vorne verpasste. Ibrahim Maaloufs arabisch angehauchte Soli und die damit verbundenen Call- and Response-Duelle, die er sich mit seinen Trompeten-Kollegen liefert, sind schlicht und ergreifend bestechend. Und die im Booklet niedergeschriebenen und fast schon als philosophisch zu bezeichnenden Gedanken zu seinen Kompositionen runden das Bild eines begnadeten Künstlers formvollendet ab.

www.ibrahimmaalouf.com