Neue Platten

Sound of Heimat - V. A.

Genre: Musik-Dokumentation
Label: good! Movies
DVD - 28.06.2013

Der Ansatz zu diesem Film ist sicherlich ein kluger: die vielgeschmähte und verlachte deutsche Volksmusik, die inzwischen von einer medialen Stadl-Welle plattgerollt wurde, von einem Neuseeländer neu entdecken zu lassen. Hayden Chisholm war vorurteilsfrei, neugierig und als Jazzbläser entsprechend musikalisch aufgeschlossen. Da er seit geraumer Zeit in Deutschland lebt und arbeitet, beherrscht er zudem auch die deutsche Sprache.
Für dieses Projekt arbeitete sich der Kiwi also kreuz und quer durch Deutschland und traf dabei auf volksmusikalische Phänomene, die zum Teil selbst einschlägig Musikbewanderten nur teilweise bekannt waren. So zum Beispiel die Musikerin Bobo, die in der Berliner Szene schon seit Längerem ein Begriff ist oder die bayerischen Wellküren, die aus der „Biermösl Blosn-Dynastie stammen, die ihrerseits wiederum enge Begleiter des Kabarettisten Gerhard Polt waren.
Weniger bekannt bzw. vom medialen Spektrum kaum beachtet, dürften zum Beispiel eine Bandeonisten-Riege aus Sachsen, eine Jodellehrerin aus dem Allgäu oder der Leipziger Gewandhaus-Chor sein. Chisholm war des weiteren zu Besuch im Kölner Kneipenmilieu, bei der fränkischen Volxmusik-Szene und er traf auf einen Überlebenden des Holocausts, der in Bezug auf Volksmusik ebenfalls einiges zu erzählen hat.
Ein genialer Begleiter bei dieser Querfeldeinreise war der Kameramann Marcus Winterbauer, der dieses Roadmovie mit wirkungsvollen Bildern unterfüttert hat.
Was bewirkt dieser Film? Er eröffnet neue Sichtweisen, vermittelt neue Einsichten und hat etwas leicht Melancholisches an sich. Und er schafft die Erkenntnis, dass der Blick in die Musikvergangenheit unseres Landes sehr wohl mit einer kreativen Zukunftsvision verknüpft werden kann.
Sicher fällt es einem Norddeutschen schwer, sich für das Jodeln zu begeistern und nicht jeder Bayer fühlt sich in einer Kölner Veedelskneipe wohl. Worauf es aber ankommt ist die unbefangene Aufgeschlossenheit, der Wille zur Begegnung, was uns Deutschen oftmals verloren gegangen ist, weil man sich zum Sklaven der Hippness oder des eigenen Tellerands gemacht hat.
„Sound of Heimat“ ist ein Lehrstück in Sachen Verbundenheit mit der eigenen Scholle. Wenn man sich im Anschluß an diese Doku darüber mal wieder verstärkt Gedanken macht, hat dieser Streifen sein Anliegen erfüllt.

www.soundofheimat.de