Neue Platten

Miles_Gurtu - Miles_Gurtu

Genre: Elektro/Jazz
Label:S:alt Records (Rough Trade)
CD, VÖ - 10.02.2005

Stark vereinfacht könnte man sagen: Techno DJ meets Ethno Trommler. Schlimme Befürchtungen können aber gleich unter den Teppich gekehrt werden, denn diese Verbindung funktioniert, weil gottseidank alles doch noch ein bißchen differenzierter zu betrachten ist. Robert Miles (eigentlich Roberto Concina) ist Betreiber von S:alt Records, UK und reiferen Clubgängern bekannt als der Urheber von „Children”, der ersten wahren Chill-Out-Hymne Mitte der 90er. Heute bewegt sich Miles zwischen Elektro, Soundtrack und Jazz, ist gut Kumpel mit Nitin Sawhney oder Bill Laswell und schwört auf die Verbindung Mensch und Maschine, musicwise.
Trilok Gurtu dagegen klöppelt schon lange zwischen Ambient, Jazz und Ethno, richtet sein Fähnchen immer nach unterschiedlichen Windrichtungen aus und wurde so auch gerne im Hause S:alt aufgenommen, gilt es dort doch das weite Feld der Fusionmusik zu beackern, alles was sich zwischen Stehbass, String Orchestra, Keys, multipler Perkussion und elektronischem Sound-Design befindet.
So klingt denn diese Scheibe auch mehr nach improvisertem Jazz, als nach furchterregender Kraut- und Rübensuppe. Das was an programmierten Spirenzchen ins Feld geführt wird, wird durch analoge Technik/Instrumente sinnvoll ergänzt, um nicht zu sagen überlagert und das ist der besondere Clou. Jon Thorne Double Bass, Mike Patto Fender, Nitin Sawhney Gitarre und Toshinori Kondo Trompete sind neben den Protagonisten Miles und Gurtu wichtige Träger musikalischen Erbguts, das in dieser Platte enthalten ist. Weitere essentielle Bausteine sind die vielen kleinen Samples (z. B. aus Südafrika, Indien, Tanzania, Tokyo), die Robert Miles auf seinen weltweiten Kreuzzügen eingesack hat und die er hier wirkungsvoll aber geschickt versteckt zum Einsatz bringt.
Neben erwachsenen, funkigen Clubtracks, die sich gerne zwischen NuJazz, Breakbeats und kernigem Downbeat bewegen und auch schon mal die etwas angestaubte Drum & Bass Ecke streifen, haben Gurtu und Miles eine Reihe von interlude-mäßigen Kollagen gewoben, die von kammermusikalisch bis experimentell reichen, folglich auch einem cinematischen Doku-Streifen gut zu Gesicht passen würden. Eine ungewöhnlich-interessante Scheibe der beiden also, die man ihnen so eigentlich gar nicht zugetraut hätte.

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