Neue Platten

Thievery Corpoartion - Saudade

Genre: Brasil/Lounge
Label: ESL Music (Rough Trade)
CD, VÖ: - 04.04.2014

Alles wieder auf Anfang. Die Herren Thievery Corporation, alias Rob Garza und Eric Hilton, machen eine Rolle rückwärts und setzen musikalisch dort an, wo sie 1996 schon einmal waren: beim verhalten-erotischen Brasil-Sound. Diesmal aber volle Pulle und durchgehend konsequent. Schon der Album-Titel „Saudade” spricht eine eindeutige Sprache. Der portugiesische Begriff „Saudade” steht, viel mehr noch als in Portugal selbst, vor allem in Brasilien für „Heimweh, Verlangen, Sehnsucht” und gehört zum Grundwortschatz des brasilianischen Pop-Vokabulars. Dieses Idiom lernt man zuallererst, hat man erst einmal seine persönliche „saudade” für diese tropische Musik entdeckt. Kein Wunder haben sich Garza und Hilton für diesen Album­titel entschieden.
Und was geht nun ab im einzelnen beim „quiet sound of Thievery Corpoartion”? Wir vermelden eine Instrumentalnummer sowie 12 Vokaltracks, die einem knapp eine Fußballhalbzeit lang die Welt versüßen. Insgesamt fünf Sängerinnen prägen Sound und Stimmungen. Da wäre zunächst Loulou Ghelichkhani, eine Langzeit­bekannte von Garza und Hilton, aufgewachsen in Paris und wohnhaft derzeit in Texas. Sie ist auf fünf Tracks zu hören. Dann hätten wir Karina Zeviani aus São Paulo, die „Stimme” von Nouvelle Vague; auf ihr Konto gehen zwei Songs. Des weiteren: Elin Melgarejo, eine Schwedin mit peruanisch/irischen Wurzeln, vorwiegend zuhause im BarJazz, Shana Halligan (Sängerin von „Bitter:Sweet”) und schließlich Natalia Clavier (Buenos Aires), Partnerin von Federico Aubele, der hier ebenfalls mitwirkt und seinerseits wiederum ein enger Freund der Thieverys ist. Weiterhin wirken mit eine Streicherabteilung, eine Gebläsestaffel, und diverse andere Musiker inklusive Hilton am Bass und Garza an den Keyboards. Soviel also zum Personal und wir merken schon, da kommt gut was zusammen an Personal.
Hat sich der Aufwand gelohnt? Im Prinzip ja. Die Sache kommt sehr entspannt und hängemattenmäßig rüber, die Mischung aus englischen, französischen und portugiesischen Vocals besticht durch eine hohe Geschmeidigkeit und die Beats pumpen sachte vor sich hin. Das einzige, was eventuell zu kritisieren wäre, ist die Tatsache, dass alle aufgeführten Damen erstaunlich ähnlich klingen. Wüßte man nicht, es wären fünf an der Zahl, würde man nur auf eine tippen. Trotzdem: wer es schmusig und kuschelig mag, ist hier goldrichtig.

www.thieverycorporation.com