Neue Platten

Ulita Knaus - The Moon on my Doorstep

Genre: PopJazz
Label: Must Have Jazz Records (Membran)
CD, VÖ: - 16.05.2014

Eigentlich ist es nur schwer vorstellbar, wie die elegante Hamburger Jazzsängerin Ulita Knaus das amerikanische Songwriter-Rumpelstilzchen Tom Waits interpretieren könnte. Da stehen weibliches Feingefühl und mainstreamiger Jazz gegen unangepasste Subkultur aus dem Jahre 1985. Des Rätsels Lösung: „Clap Hands” vom Album „Rain Dogs” wird die Ruppigkeit entzogen und dem Jazz ein paar unkonventionelle Elemente hinzugefügt. Das Ergebnis ist ein minimalistisch-bluesiger Song, der sich trotz der jazzigen Ummodellierung eine unkonventionelle Eleganz bewahrt hat. Ein perfekter Einstieg für „The Moon at my Doorstep”. Es steht also nicht zu befürchten, dass Frau Knaus im Laufe der letzten Jahre zu einer Helene Fischer des Jazz geworden ist. Denn auch im weiteren Verlauf dieses Albums gibt es kaum Grund zur der Befüchtung, irgendwo doch noch einen peinlichen Ausrutscher zu entdecken. Auch die beiden anderen Coverversionen des Albums zeugen von einer durchaus ausgewogenen Balance zwischen Trend und Anspruch - ein Zustand übrigens, der während der ganzen 43 Minuten anhält. Pink Floyds „Have a Cigar” (Wish You Were Here, 1975) und Peter „Dickes B” Fox’ „Ich Steine, Du Steine” (Stadtaffe, 2008) sind so umfrisiert, dass sie fast noch interessanter rüberkommen als die Originale. Zumindest klingen sie weitaus erotisierender. Denn Frau Knaus versteht es durchaus, sich nicht nur durch ihr äußeres Erscheinungsbild, sondern auch und vor allem stimmlich perfekt in Szene zu setzen. Und wie steht es um ihre eigene kompositorische Kreativität? Auch da bleibt alles im dunkelgrünen Bereich: ihre Sprache ist ausdrucksstark, leidenschaftlich und charmant. In Verbindung mit einer glänzend disponierten Band eine fast schon unschlagbare Einheit. Tolles Album.

www.ulitaknaus.com

Aus dem Jahr 2005:
Sea Journey