Neue Platten

Gilda Razani Sub.Vision - Bazaar

Genre: Jazz / Elektro
Label:Traumton (Indigo)
CD, VÖ - 21.02.2005

Gutes Aussehen nützt, ist aber eben nur die halbe Miete. Wer aussieht wie Gilda Razani, muß dem außen-hui-Erscheinungsbild (rassig-schwarz das Haupthaar, stylisch-perfekt das Outfit, siehe Pressefotos) aber auch etwas an musikalischer Substanz entgegenzusetzen haben, will man nicht als dünn maunzende Musik-Mietze durch alle Ritzen der Kritik fallen. Beruhigenderweise kann die Iranerin aus Teheran mit fester Verwurzelung in NRW auf einen Werdegang verweisen, der nicht nur ein Landesjugend-Jazzorchester und den Messias für „Neue Musik” Karlheinz Stockhausen auf der Gästeliste hat, sondern sie ist zudem auch noch fundiert ausgebildete Saxophonistin mit Nebenfächern Klavier und Querflöte, hat diverse Radio- und TV-Produktionen auf dem Meldezettel und betreibt schließlich zusammen mit Hans Wanning die Formation sub.vision. Und mit jener haben wir es hier zu tun.
Orient meets also Okzident – eine vielbemühte Umschreibung, wenn sich musikalische Welten gegenseitig „befruchten”, wie es die Jazzer immer so kunstvoll auszudrücken pflegen. Tatsächlich trommelt bei sub.vison Polen gegen niederländisches Keyboard, Percussion und Bass werden von zwei Folkwang-Germanen bedient und alle zusammen breiten ihren Perser-Teppich für die Diva mit ihrem Saxophon aus.
Und an diesem Werkzeug kennt die schöne Gilda kein Erbarmen, bläst mühelos alle Dulfer-Candies vom Tresen und läßt sich vom treibenden Rhythmus-Teppich ihrer Kollegen so richtig schön einheizen. Dieses Gebräu aus jazzigem Tanzflur, afro-amerikanischen Funk, energetischem Breakbeat und ambientem Unterhaltungs-Trance ist zwar weit entfernt von musikalischer Innovation, sorgt aber durchaus für Momente der erfurchtsvollen Andacht. Speziell dann, wenn die Restbestände iranischer Kultur freigelegt werden, die gesampelt oder mundgeblasen, sich gegen mitteleuropäischen Mainstream stellen.
Gilda Razani und sub.vison tauchen im Gegensatz zum nervigen Nöler Kenny G und seinen Spießgesellen immer wieder rechtzeitig in tiefere Strömungen ab, bevor ihr Schiff auf seichtem Grund aufzulaufen droht. So vergehen die 50 Minuten Spielzeit fast wie im Fluge und hinterlassen einen wohlbefindlichen Gesamteindruck.

www.gildarazani.de
www.subvision.info
www.traumton.de