Neue Platten

Rebekka Bakken - A Little Drop Of Poison

Genre: Jazz
Label:Emarcy (Univesal)
CD, VÖ: - 23.05.2014

Zwei Sachen dürften bei dieser CD klar sein: eingefleischte Tom-Waits-Fans werden mit Rebekka Bakkens Jazz-Interpretationen unter Umständen nicht viel anfangen können. Dafür werden eingefleischte Rebekka-Bakken-Fans hellauf begeistert sein, wie die Norwegerin mit dem Material des eigenwilligen US-Zausels umgeht. Worin liegt also das Besondere bei „Bakken sings Waits“? Zum einen hat hier noch die HR-Bigband ihre Hände mit im Spiel, zum anderen geht Bakken in ihren Umsetzungen über das bekannte Jazzsängerin-Getue weit hinaus. Alle Arrangements stammen übrigens nicht von ihr selbst, sondern von HR-Bigband-Chef Jörg-Achim Keller, der auch die Idee zu diesem Projekt hatte.
Und das war eine Herausforderung für Bakken gleich in doppelter Weise: wie bringe ich mich als geradeaus denkende bis romantisch veranlagte Skandinavierin in eine amerikanische Rumpelstilzchen-Mentalität bzw. –Poesie ein und wie gehe ich mit einer Bigband um?
Beide Fremdbaustellen hat Rebekka Bakken bravourös zu ihrer eigenen gemacht. Und das bedeutet feminin bis in die Fingerspitzen, zärtlich melancholisch wo notwendig aber auch humorvoll verschmitzt bis spröde aufgekratzt. Zugute kam Bakken natürlich auch die Tatsache, dass Tom-Waits-Songs in der Regel keine hoppelnden Tanzflurnummern sind (Ausnahme vielleicht: Hang on St. Christopher), sondern latent eine verpixelte Zeitlupe in sich tragen. So kann sich die Sängerin einerseits eines stabilen Rückgrats in Form einer quietschfidelen Bigband bedienen, andererseits kann sie sich auf dieser Grundlage vertrauensvoll einer ganz neuen Gefühlsbandbreite hingeben. Sechszehn geglückte Neuinterpretationen und alle tatsächlich versetzt mit einem kleinen Giftspritzer aus der Waits’schen Ampulle.


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