Neue Platten

Netnakisum - Hoamweh

Genre: Folk
Label: Tradmotion
CD, VÖ: - 27.06.2014

So manches ist eben nicht von Dauer. Bandbesetzungen geben da immer ganz gute Beispiele ab. Musterfall Netnakisum. Angefangen hatten die österreichischen Musikanten/innen anno 2004. Da waren sie noch zu viert - ein Viertel männlich, drei Viertel weiblich. 2006 wurde dann ein durchgängig feminines Quartett draus. 2011 Schrumpfung zum Trio, ein Jahr später nur noch als Duo (MT Härtel/deeLinde) existent. Ein Auflösungsprozess mit Folgen. Denn das neue Album „Hoamweh“ unterscheidet sich vom bisher Gehörten doch recht deutlich. Vorbei die Zeiten, da vier (bzw. drei) aufgekratzte Madeln der angestaubten Alpen-Folklore Beine gemacht haben. Inzwischen ist das Repertoire etwas umstrukturiert worden, wirkt gesetzter, ernsthafter, aber auch experimenteller. Und das liegt vor allem an Marie-Theres Härtel, die als Prima inter Pares das Konzept zunehmend in ihre eigenen Hände genommen hat. Vielleicht hängt das aber auch mit dem Ortswechsel zusammen, der sich bei ihr vollzogen hat. Statt Alpenrepublik nun Bundesrepublik. Hauptstadt noch dazu. Berlin als mitteleuropäischer Großapfel, zentraler Lande- und Liegeplatz vieler ambitionierter Musiker.
„Regnerisch in Berlin“, der erste der acht neuen Titel, sorgt allerdings erst einmal für einen Euphorie-Dämpfer. Die Saitenmusik klingt nach moll, nach nassem Jazz, nach „verflucht noch mal“. „Day by Day“ bleibt zwar auch noch im Zwielicht, riecht nach Balkanschwermut, verbreitet aber auch ein wenig Hoffnung. Dann der Titelsong. „Hoamweh“ - zum Wegheulen. Nicht nur in instrumenteller Schieflage, sondern und vor allem auch vokal: Du mei Steirerland – Heimatland.
„Kugelatz Tanz“ verbindet gekonnt Tradition und Moderne und der „Herbsttag“ zieht mit herrlichem beinahe-a-cappella vorbei. Aus der Feder von Teilmitglied Claudia Schwab (Violine) stammt „Wul üba d’Alm“, ein alpiner Überflieger mit leichtem Pop-Appeal und zum „Ländler in Dis“ wird schräger alpiner Funk serviert. Abschließend noch etwas Herzschmerz: feuchte-Augen-Alarm mit einem alten Roma-Song. Und nach 39 Minuten ist bereits Feierabend. Fazit: Interessante Sache, das „Hoamweh“. Der Verschlankungsprozess ist Netnakisum gut bekommen.

www.netnakisum.at

Bisher:
Netnakisum
Nutville
Das Geheimnis der Alpenstube