Neue Platten

Sinéad O’Connor - I’m not Bossy, I’m the Boss

Genre: Pop
Label: Nettwerk (Soulfood)
CD, VÖ: - 08.08.2014

Na, ja, wer sich mal ein wenig intensiver mit der Person Sinéad O’Connor befasst hat, weiß, dass diese Frau gerne zu Extremen neigt. Ein ambivalentes Verhältnis zu Männern und zum Thema Liebe, eine schwierige Beziehung zum Pop-Business – nach wie vor gleicht ihr Leben einer Achterbahnfahrt. Konstant geblieben hingegen sind der unbeugsame Wille anzuecken und der unermütliche Kampf für die Sache der Frauen. Dies war auch der Grund dafür, warum der Titel dieses Albums in letzter Minute ausgetauscht wurde. Aus „The Vishnu Room” wurde das Motto der amerikanischen „Ban Bossy”-Kampagne für die Selbstbestimmung der Frau: „I’m not bossy, I’m the boss”. Zu deutsch: „Ich bin nicht rechthaberisch, ich BIN der Chef.”
Der Inhalt ihres 10. Albums ist dann aber eher enttäuschend, denn obwohl sie fast alle Titel selbst geschrieben und mit hohem textlichem Engagement versehen hat, ist kein richtiger Reißer mit dabei. Manche der 12 Songs sind sogar etwas einfallslos arrangiert, um nicht zu sagen platt. „Dense Water Deeper Down”, Kisses Like Mine” oder „The Voice of my Doctor” erweisen sich als halbgare 08/15 Schunkel-Rock ’n’ Roller, die bestenfalls textlich eine gewisse Aussagekraft entfalten. Interessanter sind dagegen die langsameren Stücke, bei denen Sinéad O’Connor dann auch stimmlich etwas mehr zu bieten hat. „Harbour” beispielsweise, ein intensiver Blues, der wieder einmal das verworrene Beziehungsgeflecht zwischen Mann und Frau behandelt und „8 Good Reasons”, in ähnlichem Tempo gehalten, rechnet mal wieder zornig mit der Pop-Industrie ab.
Sinéad O’Connor lebt eigentlich immer noch vom Glanz der frühen 90er ohne je wieder das damalige Level erreicht zu haben. Auch dieser erneute Versuch, einen großen Coup zu landen, bleibt leider trotz intensiver Ambitionen im bedeutungslosen Mittelfeld der Pop-Musik stecken.

www.sineadoconnor.com