Neue Platten

Ray Cooper - Palace of Tears

Genre: Singer/Songwriter
Label: Westpark Music (Indigo)
CD, VÖ: - 28.08.2014

Irgendwie erinnert einen Ray Cooper ein wenig an Wolfgang Niedecken. Vor allem äußerlich-optisch (Spitzbart, Zauselhaarschnitt, kantige Gesichtszüge), zudem entstammen beide ungefähr der gleichen Generation. Und in Sachen altersbedingter Weltanschauung liegen sie sicher ebenfalls auf ähnlichen Wellenlängen. Schließlich schreiben beide inzwischen Songs, die im weitesten Sinne das Älterwerden aufarbeiten.
Ray Cooper war von 1989 bis 2013 Mitglied der schottischen Oysterband, verließ Schottland aber schon im Jahr 2000, um fortan seine Zelte in Schweden aufzuschlagen. „Palace of Tears“ ist nun nach „Tales of Love, War and Death by Hanging“ sein zweites Soloalbum. Es verarbeitet vor allem Eindrücke aus seinem neuen skandinavischen Domizil, es romantisiert aber auch die alte Heimat, prangert politische Missstände an und wirft mit dem Titeltrack „Palace of Tears“ (Tränenpalast) sogar einen wehmütigen Blick zurück in die deutsch-deutsche Vergangenheit.
Ein bittersüßer und nachdenklicher Rundumschlag also, den Cooper hier fast im Alleingang bewerkstelligt hat. Lediglich ein Pianist sowie ein Streicherduo aus Schweden begleiten ihn auf diesem Trip. Die Songs selbst sind alle in einer leicht melancholischen Färbung gehalten, sind von solider Qualität, ohne allerdings große Überraschungsmomente oder zwingende Gänsehautpassagen aus dem Hut zu zaubern. Cooper verzichtet gerne auf modischen Firlefanz, auf rhythmische Spitzfindigkeiten oder einen reißerischen Sound. Er setzt lieber auf die Aussagekraft seiner Texte und kleidet sie in ein Gewand aus mehr oder weniger konventionellem Songwriting. Ein seinem Alter entsprechendes Werk also.

www.raycooper.org