Neue Platten

Jewish Monkeys - Mania Regressia

Genre: Klezmer Rock
Label: Greedy for Best Music (Indigo)
CD, VÖ: - 05.09.2014

Man ist ja immer ganz erleichtert, wenn man feststellt, daß es in Israel auch noch ein paar aufrechte Zeitgenossen gibt, die gerne mal ein bisschen anders denken und sich eine ordentliche Portion anarchisches Gedankengut bewahrt haben. Das Trio „Jewish Monkeys“ aus Tel Aviv gibt sich allein schon durch seine satirische Namensgebung als freidenkerisch bis ketzerisch zu erkennen. (Ein „Jewish Monkey“ ist nämlich ein schwuler jüdischer langnasiger Typ, der gerne mal junge Männer mit nach Hause nimmt, sie anschließend ausraubt und dann um die Ecke bringt).
Entsprechend strange ist die Musik: eine verrückte Mischung aus Klezmer, Surf-Rock, jiddischer Folklore, Balkan-Blech, Schlager und Coverversionen, textlich ein vergnüglicher, politisch ziemlich inkorrekter Trip zwischen Marx Brothers, Pulp Fiction und Nonsense. Alles zusammen aber sehr gescheit zusammengezimmert und musikalisch auf gehobenem Niveau angesiedelt.
Den ersten Track dieser CD „Black But Sweet“ – ein modifizierter Trinidad-Calypso aus der Feder von Wilmoth „Houdini“ Hendricks - konnte man bereits auf dem Album „Kosher Nostra“ von Oz Almog und Shantel bewundern. Hier werden althergebrachte jüdische Religionsriten elegant aufs Korn genommen. Eine weitere satirische Klamauknummer begegnet dem Hörer in Form des Doppelcovers „Banana Boat vs. Hava Nagila“, wo sich Araber und Juden in karnevalesker Manier um das Heilige Land streiten. In Richtung „Woody Allen“ geht die Reise, wenn aus dem 50er-Jahre Schlager „Johnny is the boy for me“ nun plötzlich „Johnny is the Goy for me“ wird. (Ein „Goy“ ist ein Nichtjude). Schließlich erhält noch das alte griechische Liebeslied „Misirlou“ einen sehr jiddisch-originellen Anstrich.
Die „Jewish Monkeys“ nehmen sich also nicht nur selbst gehörig auf die Schippe, sondern auch ihr gesamtes kulturelles und politisches Umfeld. Das ganze wird garniert mit knackiger Musik, einer großen Tüte Humor und einem ausgeprägten Sinn für respektierliche Respektlosigkeiten. Großartige Performance, absolut hörenswert – am besten mit gehobenem Lautstärke-Pegel. Dann geht die Post nämlich erst richtig ab.

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