Neue Platten

Badi Assad - Verde

Genre: Singer/Songwriter/Jazz/Brazil
Label:Deutsche Grammophon (Universal Classics)
CD, VÖ - 21.02.2005

Badi Assad ist eine Frau mit hohen Ansprüchen an sich selbst. Ihre bisherigen Alben waren geprägt von fast schon verkniffener Akribie, mit der sie ihr Repertoire, ihr Gitarrenspiel und ihre einzigartige Mund-Perkussion in Szene setzte. Das führte nicht selten zu einer gewissen Distanz, die man ihren Scheiben entgegenbrachte. Kamen die doch zunächst aus dem US-Hause Chesky und das bedeutete audiophiles Grenzgängertum zwischen ausgefeilter Vorgehensweise, Hi-End-Technik und hoher Ratio. In Amerika steht man ja auf so etwas. Die brasilianische Seite der Badi Assad war da oftmals nur schwer zu auszumachen. Nach vier Jahren USA lebt sie nun wieder in Brasilien und das merkt man dieser Platte von vorne bis hinten an, sprich: endlich wirkt sie locker und unverkrampft, arbeitet aus dem Bauch heraus und stellt ihre handwerkliche Virtuosität erst einmal hinten an, zugunsten einer brasilianischen Verspieltheit, die immer auch etwas mit kindlicher Freude am Musizieren zu tun hat.
„Verde” beginnt daher für bisherige Assad-Alben völlig atypisch mit einer stilreinen afrobrasilianischen Perkussions/Acappella Maracatu-Hymne, einem Prozessionstanz aus dem brasilianischen Nordosten, bevor es dann wieder an die assad-typischen Spezialitäten wie die wundersamen vokalen Perkussionsstudien oder die unglaublichen Saitentricks geht. Das alles findet jetzt aber liebevoll eingebettet in weichen Sambafedern statt, in sorgsam arrangierten Songperlen, die von traditionellem Volksgut bis zu Luiz Gonzaga und Toquinho reichen.
Ungewöhnliche Wege zu beschreiten war ja schon immer eine gern ausgelebte Vorliebe von Badi Assad. Manche Dokumentationen ihrer breit gefächerten musikalischen Vorlieben führen allerdings eher zu Runzeln auf der Stirn als zu euphorischer Begeisterungs, etwa dann, wenn es darum geht, der U2-Nummer „One” einen Bossa-Rhythmus unterzuschieben oder Björks „Bachelorette” Piazzolla’sche Züge anzudichten. Da bereitet die instrumentale Piano-zu-Gitarre-Umsetzung von Yann Tiersens „Valse d’Amélie” schon wesentlich mehr Freude.
Trotz der kleinen Schönheitsfehler ist „Verde” – wie der Name (grün) schon sagt – ein berechtigter Grund für die Hoffnung, daß Badi Assad mit diesem Album zu guter Letzt ihre endgültige Premium-Parkposition im großen Musikzirkus eingenommen hat. Denn dort gehört sie zweifelsohne hin.


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