Neue Platten

Ollie Howell - Sutures and Stitches

Genre: Jazz
Label: Whirlwind Recordings (Indigo)
CD, VÖ: - 29.08.2014

Wie das Leben so spielt. Höhen und Tiefen liegen da oft eng beieinander. Diese Erfahrung hat auch Ollie Howell gemacht, seines Zeichens walisischer Jazz-Drummer und dazu noch sehr jung an Jahren, noch keine dreißig. Um so dramatischer mutet es da an, dass Howell bereits mehrere neurochirurgische Eingriff wegen einer Hirnfehl­bildung hinnehmen und durchstehen mußte. Soviel zu seinen Tiefen. Wenn einem dann aber ein gewisser Quincy Jones nach einem Benefiz­konzert die Mentorhand reicht und ihn fortan unter seine Fittiche nimmt, so gehört das sicher zu den Höhepunkten in Ollie Howell Leben und Karriere. Genauso wie die großzügige Unterstützung durch den US-Schlagzeuger Jimmy Cobb. Insofern ist das Album „Sutures and Stitches” nicht nur mit seinem Titel (übersetzt: „Nähte und Stiche”), sondern auch inhaltlich die Aufarbeitung dieser Tiefen und Höhen.
Das Ollie Howell Quintett läuft inspirationsmäßig im klassischen Fahrwasser von Art Blakeys Jazz Messengers. Und zwar so perfekt und professionell, dass Howell inzwischen zu einem heißumworbenen Musiker geworden ist. Sein Debutalbum zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass Howell quasi aus dem Hintergrund heraus seine vier Kollegen an Bass, Piano, Saxophon und Trompete perfekt dirigiert und ihnen durch seine kompositorische Vorgaben und vor allem durch sein dynamisches Spiel immer wieder neue Inspirationsmomente bietet. Die prall gefüllte CD ist an keiner Stelle langatmig oder gar langweilig. Die Energie der jungen Musiker ist beeindruckend und fühlt sich an wie der Output einer langgedienten Jazzmannschaft. Sowohl die einzelnen Soli, die manchen Stücken vorangestellt sind, als auch das umwerfende Teamwork zeugen von spontaner Spielfreude und spiegeln ein tief empfundenes Jazzverständnis wider. Dieses Hörerlebnis sollte man sich nicht entgehen lassen.

www.olliehowell.com