Neue Platten

Johannes Enders - Mellowtonin

Genre: Jazz
Label: Enja Records (Soulfood)
CD, VÖ: - 03.10.2014

Es geht doch nichts über ein gelungenes Wortspiel. Johannes Enders hat sich für seine neue Quartett-CD ein entsprechend waghalsiges Bonmot ausgedacht. „Mellowtonin” könnte man einerseits frei mit „mild im Klang” oder „sanft gefärbt” übersetzen, andererseits ist es zu „Melatonin”, einem Begriff aus der Chemie, auch nicht sehr weit, und da geht es u.a. auch um die Winterdepression, die einen überkommt, wenn es zu lange dunkel ist. Denn Melatonin steuert den Tag-Nacht-Rhythmus im menschlichen Organismus. Bleibt der Melatonin-Spiegel hoch, schlafft man ab, geistig wie körperlich.
„Mellowtonin” kann diesem Phänomen, zumindest vorübergehend, die Schärfe nehmen. Johannes Enders ist nämlich wieder mal in Hochform und legt mit seinen drei Mitstreitern Jean-Paul Brodbeck (Piano), Milan Nikolic (Bass) und Billy Hart (Drums) eine satte Performance hin, die zwar nicht mehr ganz so gedämpft wie auf „Billy Rubin” daherkommt, dafür aber jetzt ein wenig sonniger, aufgekratzter und spontaner klingt, ein perfektes Serum also gegen aufkommende Lethargie. Johannes Enders beschwört auf „Mellowtonin” den Geist der klassischen Jazzmeister wie Stan Getz oder aber auch John Coltrane, zwei zwar recht gegensätzliche Stilisten, die Enders aber gekonnt zueinander in Bezug setzt. Souverän spielt er sein Tenor Saxophon und macht sich einmal mehr zu einem unverzichtbaren Teil der modernen deutschen Jazzszene. Sehr cooles Album, ohne aufgesetzte Allüren, durchgängig hörbar und sehr eindringlich.

www.johannes-enders.com
www.enders-room.de

Enders Room - Hotel Alba