Neue Platten

Neuzeit - Carmina Variations

Genre: Jazz / Klassik
Label: Unit Records (JaKla/Harmonia Mundi)
CD, VÖ: - 17.10.2014

Klassik und Jazz - eine Art Hassliebe. Immer wieder versuchen sich Musiker der einen oder der anderen Seite, auf das gegenüberliegende Terrain vorzudringen und Ideen auszutesten. So manches mal mit zweifelhaftem Erfolg, versteht sich. Nun haben es sich wieder mal drei deutsche Jazzmusiker, nämlich das Kölner Trio „Neuzeit”, vorgenommen, ins Reich der Klassik einzutauchen und was Zeitgemäßes daraus zu machen. Ausgerechnet „Carmina B.“ sollte es sein, das abgenudelste und kommerzialisierteste Werk von Carl Orff, das auf keinem Sommerfestival, auf keinem Klassik-Open-Air fehlen darf. Man durfte also gespannt sein.
Erst mal wurde einige Zeit darum gerungen, die Lizenz zur Interpretation vom Schottverlag zu erhalten. Als das geschafft war, mußte man sich nach einem neuen Bassisten umsehen, denn Jan von Polheim erkrankte. Wegen knapper Geldmittel wurde dann auch noch die Ader des Crowdfunding angezapft. Erst dann konnten sich Organist Andreas Hirschmann, Drummer Martell Beigang und der neue Bassist Thomas Falke daranmachen, dem guten Carl auf die neuzeitlichen Sprünge zu helfen. Nicht jeder ist im Orff’schen Zyklus bewandert, deshalb muss einem Laien in Sachen Klassik auch nicht unbedingt gleich auffallen, dass man hier recycelte Musik aus dem Jahr 1937 hört, so unbeschwert, locker und teilweise auch sehr unothodox hat sich das Trio an den Stoff herangemacht. Hirschmann orgelt behende, allerdings nicht auf einer original Hammond, sondern auf einem platzsparenderen, leichter zu transportierenden Keyboard, Drummer Beigang trommelt ziemlich einfallsreich und Bassist Falke grundiert geschickt. Hin und wieder klingen die niederländischen Symphonic-Rocker „Ekseption“durch, die einst Herrn Beethoven verwurstelten. Aber das ist schon eine Weile her. Neuzeit klingen da logischerweise etwas eleganter und zeitgemäßer. Teilweise sogar sehr funky und groovy, teilweise aber auch sehr vom Pop infiziert und mit der Gastsängerin Sandra Klinkhammer mitunter sogar etwas flippig. So geht das knapp eine Stunde lang und ist zumindest nicht so übel, als dass man diesem Unternehmen etwas Wohlwollen zollen, nicht jedoch mit überschwänglicher Euphorie gegenübertreten sollte.

www.neuzeit-musik.com