Neue Platten

Wildbirds & Peacedrums - Rhythm

Genre: Experimental Pop
Label: The Leaf Label (Indigo)
CD, VÖ: - 31.10.2014

Um mit den Worten des Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker Sir Simon Rattle zu sprechen, behaupten wir hier ebenfalls mal: „Rhythm is it!” Rhythmus ist das Grundnahrungsmittel jeglicher Art von Musik. Ohne eine gewisse Taktung und ohne eine gewisse Metrik funktionert kaum etwas. Das schwedische Ehepaar Mariam Wallentin und Andreas Werliin alias „Wildbirds and Peacedrums” haben diese Erkenntnis ziemlich radikal umgesetzt und ein Album zusammengestellt, das fast schon archaische Züge trägt: Auf „Rhythm” wird nur gesungen und getrommelt. Personelle und instrumentelle Fremdkörper ausgeschlossen. Minimalismus in Reinform. Stripped to the bone, sozusagen. Dass dieses Konzept zu keinem introvertierten Kuschelalbum führen kann, liegt da fast schon auf der Hand. Dennoch gehört „Rhythm” zweifellos zu den interessanteren Album der Indie-Musik, denn hier treffen zwei Musikerseelen aufeinander, die sich perfekt ergänzen: Mariam aka Wildbirds kann ihre Stimmbänder von milde gurrend bis kurz vor den Zerreisspunkt dehnen und Andreas aka Peacedrums bearbeitet seine diversen Perkussions­utensilien von sanft touchierend bis donnerhart, sanfte Einstiege schaukeln sich nicht selten zu monströsen Klangkollagen empor. Da tauchen beispielsweise „Tribal Drums“ auf, zu denen Mariam afrikanisch anmutende Vocals beisteuert, aber auch fette BigBeat-Perkussion kann als Grundlage für eine satte R’n’B Performance dienen. Das Spektrum reicht also von intim bis expressiv. Die Songstrukturen sind dementsprechend mannigfaltig aufgebaut, meist sogar an gängige Popstrukturen angelehnt, was es dem Hörer sehr einfach macht, bei der Stange zu bleiben. Mit anderen Worten: Trotz aller Extreme bleiben diese 9 Songs auf dem Teppich, es sind also keine chaotischen Experimente, sondern wohldurchdachte, strukturierte Stücke, nur eben in ungewöhnlicher Ausführung. Dafür aber ziemlich abgefahren.

www.wildbirdsandpeacedrums.com