Neue Platten

Low - The Great Destroyer

Genre: Alternative
Label:Rough Trade (Rough Trade)
CD, LP, VÖ - 17.02.2005

Alan, Mimi und Zak. Ein Trio mit Vergangenheit. Seit schon zehn Jahren versorgen sie die Anhängerschaft der kontemplativen Gitarren-Fraktion mit ausgesucht schönen Hymnen zwischen Mucksmäuschen und Zeitlupe. Klar, wer aus Duluth kommt, weiß mit solchen Extremen umzugehen. Duluth, so wissen wir, liegt am westlichen Ende des Oberen Sees, oben in Amiland, kurz unter Ontario. Und dort herrschen Weite und Gelassenheit. Elemente, die schon immer zu den Low’schen Spezifica gehörten. So auch auf “The Great Destroyer”, der ganz wie der Name es schon andeutet, mit dem Bruch von Bisherigem aufwartet. Denn wo in all den Jahren der spartanische Wohlklang den Ton angab, knistert es nun plötzlich im Gebälk. Kollege Rumpelmann hat angeklopft. Gitarren hängen plötzlich am Fuzzer, die Amps dürfen mehr Saft abgeben und Drummerin Mimi macht den Tambours de Bronx Konkurrenz.
Und trotzdem tönt alles immer noch nach “Low”. Nur eben leicht destroyed. Immer noch präsent und wunderbar anzuhören sind nach wie vor die vokalen Performances von Alan Sparhawk und Mimi Parker. Zusammen sind sie ein fast unschlagbares Team, was harmonischen Ehegesang angeht. Da kann es im Hintergrund noch so brummen, die Klampfen noch so geschrubbt werden - Mimi und Alan verleihen jeder noch so kratzbürstigen Einspielung wohlige Wärme.
Das heißt aber beileibe nicht, daß Low nun komlett auf die Heavy-Schiene umgesattelt haben. Bei „Silver Rider” beispielsweise können einem fast die Tränen kommen, so hingebungsvoll widmet man sich da dem kollektiven Chorerlebnis. Und aus gerechnet diesem salbungsvollen Song ist der Albumtitel entnommen worden. Der hätte wesentlich besser zu „Pissing” gepasst, denn dort wird ein laues Sommerlüftchen zu einem quietschenden und pfeifenden Donnerwetter umfunktioniert, bis zum Schluß die Basssaiten schlapp herunterbaumeln. Genialer Track.
Und so gleicht diese CD also eher einem hörbaren Wechselbad, denn einer gleichbleibenden Stimmungslage. Pfarrer Kneip hätte seine wahre Freude an dieser Scheibe gehabt. Und das beste: der Hörnerv wird niemals überstapaziert, vorausgesetzt natürlich, man hat was für Indie übrig. Wem also die Walkabouts zu glatt und die Libertines viel zu hektisch sind, der ist bei Low bestens aufgehoben.

www.chairkickers.com
www.amazon.de