Neue Platten

Olafur Arnalds & Alice Sara Ott - The Chopin Project

Genre: Klassik
Label: Deutsche Grammophon (Universal)
CD, VÖ: - 20.03.2015

Was der Bauer nicht kennt, kommt ihm so schnell erst mal nicht zwischen die Kauleisten. Warum sich mit abgestandener klassischer Klaviermusik von einem Komponisten befassen, der schon seit über 150 Jahren nicht mehr aktiv ist? Oder um mit den Worten von Frank Zappa zu sprechen: „Classical music is this music that was written by a bunch of dead people a long time ago“.
Nun denn, hin und wieder gibt es Musiker, die da etwas anderer Meinung sind, aber vielleicht auch nur deswegen, weil sie per Zufall auf eine andere Fährte gesetzt worden sind. Olafur Arnalds aus Island zum Beispiel, in seiner frühen Jugend Drummer einer Hardcoreband, inzwischen breit gefächerter Filmmusikkomponist und Multiinstrumentalist. Dank seiner Großmutter lernte er schon früh Frédéric Chopin kennen und später auch lieben. Eine Liebe, der wir u.a. diese CD zu verdanken haben. Eine CD, die aber auch alles andere als abgestanden oder ein einschläfernd ist, dafür umso schwermütiger und melancholischer. Die perfekte Gelegenheit also für alle Klassikunbedarften, sich diesem Genre einmal von einer ganz neuen Seite zu nähern. Denn Olafur gehört der jungen Pop-Generation an, die mit dem althergebrachten und standardisierten Klassikbetrieb herzlich wenig anfangen kann. Und um diese nonkonformistische Einstellung sowie seine Vorliebe für den Klassiker Chopin nun unter einen Hut zu bringen, hat er zusammen mit der deutsch-japanischen Pianistin Alice Sara Ott das Chopin-Project aus der Taufe gehoben. Das Rezept: moderne Technik als Bestandteil der Komposition, Technologie als Mittel der Interpretation. In der herkömmlichen Klassik undenkbar, hier allerdings ein äußerest gelungener Kunstgriff. Und so haben er und die Pianistin zusammengeworfen, was sie am besten können: Er das Komponieren von Chopin-affiner Musik, sie eine weiblich intuitierte Interpretin des polnischen Klaviermeisters. Mit im Spiel: Synthesizer, Streicher, eine virtuose Violinistin und jede Menge analoger Aufnahmegeräte. Das Ergebnis: eine sehr behutsame, fast schon verträumte, Interpretation Chopin’scher Klaviermusik in Verbindung mit davon inspirierten modernen Intermezzi. 45 Minuten hochsensibler Akustikmusik mit der Sensibilität eines Eric Satie und der atmosphärischen Dichte des Filmdramas „The Piano”.

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