Neue Platten

Tenors of Kalma - Electric Willow

Genre: Alternative Rock / Jazz / Elektro
Label: Enja/Yellowbird (Soulfood)
CD; VÖ: - 27.03.2015

Wer die drei finnischen Akteure dieses Album schon etwas länger im Auge hat, der weiß, dass es sich hier nicht um blütenweiße Rüschchenmusik oder akkurate Bügelfaltenmucke handeln kann. Jimi „Fielmann“ Tenor, seit je her ein schräger Keyboard- und Saxophon-Vogel zwischen Jazz, Bigband, Elektro und Afrofunk, versucht sich hier als Vermittler zwischen Free Jazz und Art-Pop. Kalle Kalima, seit längerem in Berlin beheimatet, gehört in die Schublade „experimentierfreudiger Freistilgitarrist“ und hat zum Beipiel mit seinem Seitenprojekt „Johnny La Marama“ einen musikalisch reinrassigen Kaltblütler am Start. Der Drummer schließlich, Joonas Riippa, ist ein vielseitig orientierter Perkussionist, der u.a. die Sticks für Verneri Pohjola rührt.
Diese drei Herren firmieren nun also unter dem Namen „Tenors of Kalma“, ein gelungenes Wortspiel aus finnischen Vokabeln und naheliegenden Künstlernachnamen. Ihr Ziel ist es auf „Electric Willow“, eine Mischung aus Krautrock-Vibes, Sun Ra, John Coltrane und Pink Floyd auf die Spur zu bringen.
Kakophonie gleich zu Beginn: Tenor und Kalima malträtieren ihre Instrumente, berappeln sich dann aber unter den stolpernden Beats von Riippa relativ zügig zu einem trockenen Elektro-Garagenrock: „Can We Yes!“ Weiter mit „Blind“, wo sich Tenor wieder mal als okkulter Vokalist und Keyboarder beweisen kann, während Kalima bei dieser eher psychedelischen Nummer relativ handzahm in die Saiten greift. Ummagumma lässt jedenfalls schön grüßen. Ein weiteres Beipiel dieser schrägen Hypnosemusik: „Ininää“, ein rockendes Holterdipolter, bei dem sich Kalima an der Klampfe und Tenor an Flöte und Elektronik leidlich austoben, frei nach der Devise: Erlaubt ist, was Spaß macht. Und diesen Drang nach freigeistigem Musizieren reizen die drei Finnen nach bestem Wissen und Gewissen aus. Die CD endet mit dem eher meditativen „Hymn To The Sun God”, einer Kalima’schen Huldigung an einen ägyptischen Pharao. Man muss also schon mit viel Aufgeschlossenheit gesegnet sein, um diesem bizarren Album den nötigen Respekt zu zollen, das aber trotz aller Exzentrik zu den interessanteren CDs dieses Jahres gehört.

www.tenorsofkalma.blogspot.de