Neue Platten

Hart + Zart Vol. 6 - (V. A.)

Genre: Bayern Folk / Rock
Label: MundArt (Rough Trade)
Doppel-CD; VÖ: - 03.07.2015

Schwer vorstellbar: ein „Hart und Zart“-Sampler aus Norddeutschland oder gar Sachsen. Im Bayernland dagegen, dem deutschen Mundart-Eldorado schlechthin, geht da schon eher der Punk ab, hat man doch inzwischen bereits die 6. Auflage auf die Vertriebsschiene geschoben. 70.000 Quadratkilometer voralpenländliche Kulturlandschaft geben da schon was her.
Nach dem ausgiebigen Genuss von 43 Stücken muss allerdings konstatiert werden: Musik von internationalem Niveau ist auf dem Doppelalbum ziemlich wenig zu finden, dafür umso mehr geerdete bis hausbackene Volksmusik, mundartliche Schlagerparade, mal auf Dire Straits-Basis, mal in adretter Liedermacherform. Mal als derber Dialekt-HipHop, mal als Hartmetallgaudi. Und vom Jodl-Trainer über den gesellschaftkritischen Gaudi-Buam bis hin zum seriösen Biedermann ist alles dabei. Die Identitätskennungen sind sogar mitunter haarsträubend: Da gibt es ein „Biertrio“, einen „Charmebereich“, die „Gnadenkapelle“ oder die „Zipflhaum-Bande“. Erstaunlich: von fast allen noch so seltsam klingenden Mitwirkenden findet sich im Netz eine Homepage.
Bei manchen Künstlern kommen einem die Freudentränen, bei anderen beißt man sich vor Peinlichkeit ins Knie, bei noch anderen hat man sofort schenkelklopfende Bierzeltmannschaften vor Augen. Dennoch kommt man nicht umhin zu staunen, wer und was da so alles die Mundart zur Spielwiese macht. Aus Regensburg beispielsweise kommt eine Band namens „duett komplett“, die sich von Kleinkunsttingeltangel zu Rock-Pop hangelt: „Ich bin der Anatol und find’ die Anna toll“. Der Braxn Max vom Chiemsee dagegen huldigt der Vergangenheit: „Im oidn Cafä an der Eckn“ treffen sich die in die Jahre gekommenen Bluesveteranen. Und nach guten zweieinhalb Stunden Bayernrundreise steht fest: Das Musikhandwerk hat in Bayern noch festen Boden unter den Füßen.

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Hart + Zart III