Neue Platten

Sophie Solomon - Poison Sweet Madeira

Genre: Eastern Europe
Label:Decca (Universal Classics)
CD, VÖ - 24.03.2006

Da sieht man’s wieder mal: Wenn man auf die Eltern hört und ein ordentliches Musikinstrument (in diesem Fall Geige) lernt, bringt man es auch zu etwas, vorausgesetzt, man bringt genug Passion mit. Im Falle Sophie Solomon kamen allerdings noch ein paar andere Komponenten hinzu: Der Familienstammbaum stark osteuropäisch durchsetzt, eine frühe Begegnung mit Yehudi Menuhin und als Folge pubertären Ehrgeizes Mitglied im National Children’s Orchestra UK. Weiter dann im London Symphony Orchestra, parallel Drum ‘n’ Bass DJ und schließlich Gründungsmitglied von Oi Va Voi, die mit „Laughter Through Tears” ein großartiges Debutalbum ablieferten. Klar, daß bei so viel Talent und vor allem so viel Vielseitigkeit im Kopf ein Solo-Album her mußte. Und das hat Sophie Solomon weidlich ausgekostet. Ihr „Poison Sweet Madeira” nimmt uns mit auf eine Reise durch Osteuropa und den Balkan, streift Klezmer, Klassik, Pop und Jazz, integriert Spoken Word-Passagen von Ralph Fiennes (Schindlers Liste) oder bringt Kooperationen mit dem Pulp-Gitarristen Richard Hawley oder der chinesisch-schottischen Sängerin KT Tunstall.
Auf den 9 zum Teil herzerweichenden Stücken liegen Melancholie und russischer Schwermut eng neben ausgelassener Klezmerleidenschaft, klassische Partituren aus der Welt des Anton Dvorak kreuzen sich mit Tom Waits’scher Klangphilosphie und urbanem Tango. Ein Spektrum, das nur jemand so perfekt beherrschen kann, der mit seinem Instrument eine quasi-Liebesbeziehung pflegt. Schade nur, daß das Album mit gerade mal 36 Minuten ein bißchen kurz ausgefallen ist. Von so viel genialer Geigen-Virtuosität hätte gern noch etwas mehr gehört.

www.sohiesolomon.com