Neue Platten

Eivind Aarset - I.E.

Genre: Elektro
Label: Jazzland (Edel)
CD; VÖ: - 04.09.2015

Einerseits kann Eivind Aarset ja ein ganz schön harter Knochen sein, andererseits aber auch mild wie ein Zauberer aus dem Märchenwald. Wir sprechen von seinem neuen Album mit dem Titel „I.E.“, auf dem der norwegische Gitarrist mal ganz neue kreative Seiten aufzieht. Allein schon der Kreis der Musiker, die hier ihre Hände mit im Spiel haben, ist enorm groß. Gleich zwei Drummer (Erland Dahlen und Wetle Holte) sorgen für eine Menge perkussiven Unterbau und sogar ein Bläser-Ensemble wird höchst homogen mit einbezogen. Dazu ein ganzer Sack voll Sampling-Zutaten und schließlich haben wir da noch einen Sänger (Lorenzo Esposito Fornasari), der auf dem längsten Stück der CD (über 12 Minuten) mal verzerrt, mal klagend wie David Sylvian oder mal entspannt pfeifend wie Ilse Werner ins Geschehen mit eingreift.
Einige der Stücke ähneln sich in ihrem Aufbau: ruhiger bis ambienter Einstieg, rhythmisches und geräuschvolles Anschwellen bis hin zu einer Sigur Ros’schen Intensität, danach wieder allmählicher Sinkflug bis zur entspannten Landung. Dass Eivind Aarset aber auch ein deftiger Rocker sein kann, etwa wie sein etwas älterer Kollege Terje Rypdal, oder ein Mann des gepflegten nordischen Blues ist, stellen andere Stücke mit ihrer herben Eleganz unter Beweis. Den Schlusspunkt des Albums setzt Aarset mit einer lupenreinen Chill-Studie, die fast schon sakralen Charakter hat. Co-Produzent Jan Bang läßt dazu die Sampler glühen.
Fazit: ein faszinierendes Album mit Kopfkino-Potenzial. Mal träumerisch, mal schroff, mal Geräuschlawine, mal ordentlich rockend, aber immer genial in seiner wohldurchdachten Gesamtkonzeption.

www.eivindaarset.com
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