Neue Platten

Ellen Andrea Wang - Diving

Genre: Pop Jazz
Label: Propeller Recordings (Soulfood)
CD; VÖ: - 11.09.2015

Ellen Andrea Wang ist nicht etwa, wie man vielleicht vom Namen her annehmen könnte, eine Halbasiatin, sondern eine waschechte Norwegerin aus Olso. Wenn allerdings jemand wie sie so unterschiedliche Künstler wie John Coltrane, Sting oder Michael Jackson zu seinen musikalischen Einflüssen zählt, ist Vorsicht angesagt. Wenn diese Einflüsse dann auch noch auf einem einzigen Album hörbar gemacht werden sollen, sind erst recht Zweifel angemeldet, ob das gut gehen kann.
Sie sagt, sie will auf ihrem Solo-Debut Grenzen sprengen und feste Regeln brechen. Als singende Bassistin hat sie da zumindest jedenfalls schon mal einen gewissen Exotenvorschuss. Und ihre beiden Begleitmusiker gehören ebenfalls nicht gerade in die Schublade „Sessionmusiker“. Andreas Ulvo ist bekannt als Keyboarder aus dem Popbereich und Erland Dahlen kennt man als Drummer für Nils Petter Molvær oder Eivind Aarset.
Die Doppelstrategie von Frau Wang, sowohl auf der Autobahn des Pop als auch auf der Schnellstrasse des Jazz einigermaßen glaubwürdig unterwegs zu sein, geht aus unserer Sicht zumindest ganz gut auf. Ihre elf Songs kommen locker rüber, ihre Stimme hat etwas sehr feminines und die Arrangements sind vielseitig, reichen von lyrisch bis rockig. Die CD enthält drei Instrumentalstücke. Hier beweisen Wang und Co. eindrucksvoll, dass sie geschickte Crossovermusiker sind. Dank der aufopferungsvollen Arbeit von Drummer Dahlen fehlt es auch nicht an perkussivem Druck, was bis hin zu harten Rhythmen führen kann. Andreas Ulvo liegt allerdings, zumindest dann, wenn seine Keyboardsounds allzu sehr nach Plastik klingen, etwas neben der Spur. Ansonsten gibt aber auch er eine durchaus passable und zielgerichtete Vorstellung.
„Diving“ ist der gelungene Versuch, eine eierlegende Wollmilchsau auf die Bildfläche zu zaubern. Etwas Pop für Jazzfans und etwas Jazz für Popfans. Beide Seiten kommen auf ihre Kosten.

www.ellenandreawang.com